Ich habe lange überlegt, womit ich meinen Blog eröffnen möchte, welche Themen mir am Herzen liegen, welche möglicherweise auch andere interessieren könnten und welche aus der Diskussion moderner Fantasy nicht wegzudenken sind. Hab mich dann für dieses entschieden. Warum nicht gleich mit was kompliziertem anfangen?

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Die sterbende Schildmaid Hervor – Peter Nicolai Arbo

Fantasy hat schon immer den Ruf gehabt – wie vieles abseits des Mainstream, was immer das sein soll – vorangig ein männlich dominiertes Genre zu sein, ob nun auf die Charaktere, die Autoren, die Leserschaft bezogen. Ein Genre für Jungs, die sich aus der Realität flüchten wollen. Sich diese Einstellung anzuschauen, böte genug Diskussionsstoff für mehrere Einträge, auch wenn sich der halbwegs belesene Fantasy-Fan vermutlich nur an den Kopf fassen könnte. Die Behauptung, Fantasy sei nichts für das weibliche Geschlecht, repräsentiere das weibliche Geschlecht nicht, ist so vereinfachend wie falsch. Autorinnen wie Ursula Le Guin, Robin Hobb, Marion Zimmer Bradley, Margaret Weis und Tracy Hickmann haben das Genre genau so sehr geprägt, wie ihre männlichen Kollegen.

Vermutlich stammt diese Pauschalmeinung über das Genre daher, dass die prominentesten, sichtbarsten Vertreter des Genres bis vor einiger Zeit tatsächlich von männlichen Charakteren dominiert wurden. Der Herr der Ringe etwa präsentiert so gut wie keine weiblichen Charaktere in mehr als Nebenrollen, was Peter Jacksons Filme zwar durch die Hervorhebung etwa von Arwen zu kompensieren versuchen, doch auch auf der Leinwand sind die Hauptrollen durchweg Männer. Einen wichtigen Aspekt dürfen wir natürlich hier nicht außer Acht lassen: Viele Handlungen finden in Welten statt, die sich stark am Bild des (mittel-)europäischen Mittelalters orientieren, für das zumindest die öffentliche Wahrnehmung diktiert, dass Frauen nur untergeordnete Rollen spielten (- was ebenfalls Stoff für weitere Untersuchungen böte). Es ließe sich also argumentieren, dass die Vorherrschaft männlicher Charaktere daher nichts anderes als eine realistische Repräsentation historischer Umstände sei. Lassen wir einmal außen vor, dass das im besten Falle eine hakelige Behauptung ist und ganz nebenei eine Frage über die Rollenvorstellungen eines typischen, zulässigen Fantasyhelden aufwirft (… zukünftiges Thema, ick hör dir trapsen …): Das Genre hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise nicht auf diesen Aussagen ausgeruht. Von Hermine über Katniss Everdeen, von den Frauen von Game of Thrones hin zu Comics und Superhelden-Serien wie Jessica Jones: Starke Frauen gehören mittlerweile zu den einprägsamsten Charakteren der Popkultur, auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass es mitunter der Fall ist, weil sie vorher nie wirklich im Blickfeld der breiten Masse lagen. Was aber, macht eine Starke Frau – einen Strong Female Character – eigentlich aus? Lange Einleitung, kurzer Sinn: Im Folgenden möchte ich mir ein paar starke Frauen in Fantasy & Co. ansehen, schauen, was sie ausmacht und was meiner Meinung nach die Stolperfallen für Autoren sind.

Interviewer: „I noticed that you write women really well […]. Where does that come from?“

George R.R. Martin: „You know … I’ve always considered women to be people.“

Zugegeben, George R.R. Martins Antwort mag offensichtlich erscheinen. Was, bitte, ist das denn für eine altkluge Erwiderung für eine ernstgemeinte Interview-Frage? Aber wenn die Antwort so offensichtlich ist, warum wird die Frage dann überhaupt gestellt?

Die Grundregeln für gute, glaubhafte, starke Charaktere treffen natürlich auch für gute, glaubhafte, starke, weibliche Charaktere zu: Niemand ist nur, was er auf den ersten Blick zu sein scheint, niemand ist nur, was seine offensichtliche Rollenbeschreibung über ihn aussagt. Ein König ist nicht nur König und reagiert nur königlich, ein Dieb ist nicht nur ein Dieb und reagiert diebisch und eine Frau ist nicht nur Frau und reagiert wie Frauen nun mal – dem Klischee nach – reagieren. Ein starker Charakter ist vielschichtig. Martins Argument, Charaktere unabhängig von ihrem Geschlecht zu definieren, ist schlüssig. Durch den Welterfolg der Serienverfilmung Game of Thones seiner Buchreihe Das Lied von Eis und Feuer, dürfte wenig Zweifel daran sein, dass er weiß, was er tut.

In meiner Auswahl starker weiblicher Charaktere finden sich deshalb direkt zwei – zweieinhalb, je nach Zählweise – Charaktere Martins: Brienne von Tarth und Sansa Stark. Desweiteren möchte ich einen Blick auf Jessica Jones aus der gleichnamigen Netflix-Serie werfen.

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Brienne von Tarth, Sansa Stark, Jessica Jones (HBO, Netflix)

ACHTUNG: Ich halte alles so Allgemein wie möglich, minimale Spoiler gibt es trotzdem.

„It is said that your father is a good man. If so, I pity him. Some men are blessed with sons, some with daughters. No man deserves to be cursed with such as you.“

A Feast for Crows, Kapitel 25

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Gwendoline Christie als Brienne von Tarth (HBO)

Wenn ich von Brienne von Tarth rede, dann in erster Linie vom Buch-Charakter. Brienne ist Tochter eines Lords, aber nach vergeblichen Versuchen, sie zu verheiraten, ließ ihr Vater ihr freie Hand, das Leben zu wählen, dass sie sich wünschte. Auf den ersten Blick entspricht sie am ehesten dem Klischee der Fantasy-Kriegerin einer harten Frau, die sich von Männern nichts vormachen lässt. In der Tat, erstmals begegnet der Leser Brienne, wenn sie einen Mann im Turnierkampf besiegt. Spätestens aber, wenn wir in ihren Perspektivkapiteln einen Blick in ihr Innerstes werfen können, ist dieser Ersteindruck nicht mehr zu halten. Brienne ist Produkt ihrer Welt, auch wenn sie sich gegen die Konventionen dieser Welt stellt. Sie ist sich bewusst, was von ihr erwartet wird, obwohl sie diese Erwartungen nicht erfüllen kann und will. Dies schafft einen andauernden inneren Konflikt, der in der Erzählung Vorrang vor vielen anderen einnimmt und primärer Dreh- und Angelpunkt ihres Charakters ist. Ja, sie ist eine starke Frau und aus vielen körperlichen Konflikten im Verlauf ihrer Handlung geht sie als Siegerin hervor. Ihr Handlungsbogen jedoch ist nicht auf Kampf und Überlegenheit im Kampf ausgerichtet, er ist intern, persönlich und komplex. Weder entspricht sie dem „realistischen“ Bild einer mittelalterlichen Frau, noch ist ihr Charakter losgelöst von der Realität der Welt um sie. Sie hat Stärken und Fehler, Konflikte und Wünsche, Motivationen, die oft in Konflikt mit ihrer körperlichen Realität stehen. Des Eindrucks, den sie in ihrer Umwelt erweckt, ist sie sich vollends bewusst, aber statt sie leichtfertig beiseite zu wischen, wie das Klischeebild von der „Starken Frau“ es vielleicht täte, formen sie ihren Charakter und sind oft Quelle ihrer Zweifel und Ängste.

Trotz ihrer hohen Qualität, ist das ein Punkt, in dem die Fernsehserie Game of Thrones als Buchadaption leider auf breiter Front versagt. Gwendoline Christie ist eine hervorragende Schauspielerin, doch Serien-Brienne fehlt viel von der Komplexität der Vorlage, sie fällt stärker ins Klischeebild, was am deutlichsten wird, wenn man sich ansieht, wie schnell und gedankenlos sie tötet, wodurch sie viel von dem verliert, was Buch-Brienne ausmacht.

„I don’t flirt. I just say what I want.“

Marvel’s Jessica Jones

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Krysten Ritter als Jessica Jones und David Tennant als Alptraum in Menschengestalt (Netflix)

Zum Einstieg ein Hinweis: Ich kenne Jessica Jones nur aus der Netflix-Serie, die Comics habe ich nie gelesen. Ist für diesen Rahmen aber völlig egal.

Jessica Jones hat viel gemein mit Brienne von Tarth – Stärke, einen Beruf, der mit Frauen eher nicht assoziiert wird – ist aber unterschiedlich genug, um eine separate Betrachtung sinnvoll zu machen. Die Privatdetektivin hat (moderate) Superkräfte, sie ist stärker als normale Menschen, stärker als die meisten Männer. Die Netflix-Serie geht damit aber außerordentlich geschickt um, denn die meisten Probleme, denen Jessica sich in der Serie gegenübersteht, kann sie durch körperliche Kraft nicht lösen und schnell wird deutlich, dass sie über eine Fähigkeit verfügt, die ihren Superkräften weit überlegen ist: Jessica Jones ist ein verflucht cleverer Charakter. Es hilft, dass der Antagonist ihre Superkraft nahezu nutzlos macht, da er Personen seinen Willen aufzwingen kann. Ein Großteil der Handlung wird daher von Versuchen Jessicas beherrscht, ihn auszutricksen, sein Selbstbild und seine Fehler gegen ihn zu verwenden, oder dem direkten Kontakt durch geschicktes Taktieren gleich ganz aus dem Weg zu gehen.

Der Plot ist in vielerlei Hinsicht darauf ausgelegt, Jessica und andere Charaktere mit Unzulänglichkeiten und Ängsten zu konfrontieren, als Spielraum für das Ausleben ihrer Stärken oder gar Machtphantasien zu bieten. In der Tat hat die Serie über Machtfantasien, Machtgeflechte und Macht als Werkzeug und Waffe viel zu sagen.

Darüber hinaus ist Jessica in vielerlei Hinsicht ein erfrischender Charakter, da sie in der Regel weiß, was sie will, gerade wenn es um ihre Beziehungen zu anderen Menschen oder potentiellen Liebhabern geht. Dabei handelt es sich hier nie um billige Effekte oder Fleischbeschau, die man Game of Thrones durchaus zur Last legen kann, sondern um stets authentische, charaktergetriebene Entscheidungen.

(Ich könnte mich noch stundenlang über Jessica Jones, die hervorragende Serie, auslassen, will mich aber an dieser Stelle einfach auf eine pauschale Empfehlung beschränken: Wer cleveres Fernsehen, großartige Charaktere, einen absolut fiesen Gegenspieler und ein völliges Desinteresse an Geschlechterklischees mag, dem sei Jessica Jones ans Herz gelegt. Eine Warnung ist aber angebracht: Thematisch und auch als Handlungselemente beschäftigt sich die Serie mit häuslicher Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung.)

„Life is not a song, sweetling. Someday you may learn that, to your sorrow.

A Game of Thrones, Kapitel 44

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Sophie Turner als Sansa Stark (HBO)

Unsere letzte starke Frau ist Sansa Stark, die wie Brienne George R.R. Martins Das Lied von Eis und Feuer entstammt. Es ist vermutlich nicht übertrieben, sie als einen der meistgehassten Perspektivcharaktere des ersten Buches zu beschreiben. Aufgezogen als älteste Tochter des Lords von Winterfell, hat sie ihre Kindheit mit Lieder über Helden und ritterliche Liebe, Näharbeiten und dergleichen verbracht. Sie träumt davon einen Prinzen zu heiraten und viele Kinder zu haben, von wahrer Liebe und Rittern auf weißen Pferden, einer ehrbarer als der andere. Warum reden wir also über sie, nicht über ihrer wildere Schwester Arya?

Na, ich kann ja schlecht zu Anfang über die Rollenarmut für weibliche Charaktere klagen und dann nur Kriegerfrauen und coole Privatdetektivinnen behanden. Wer jetzt denkt, dass ich Sansa als Gegenbeispiel anführen möchte, der liegt falsch. Ich bin der festen Meinung, dass Sansa Stark eine starke Frau ist.

Fairerweise hängt das stark mit meiner Arbeitsdefinition von „stark“ zusammen. Physisch ist Sansa nahezu ungefährlich und zu Anfang ihrer Handlung trifft sie zudem einige Entscheidungen, die wenig Gutes über ihre Menschenkenntnis und Weitsicht aussagen. Vor dem Hintergrund ihrer Erziehung machen jedoch all diese Entscheidungen Sinn, sie kommen zustande, weil Sansa ihren Motivationen und Wünschen folgt. Sie verät die Abreisepläne ihres Vaters, weil sie nicht von Prinz Joffreys Seite weichen will, sie will nicht von seiner Seite weichen, weil sie die wahre, märchenhafte Liebe in ihm sieht, die ihr in Liedern versprochen wurde. Sansa ist kein Klischeecharakter, sie ist eine bewusste Dekonstruktion eines Klischeecharakters. Wie würde die Prinzessin, die von allerhand magischen und lieblichen Sachen träumt, in einer Welt überleben, die so unnachgiebig ist wie Martins Westeros?

Zugegeben, Dekonstruktion von oder Spiel mit Klischees ist nicht immer leicht von unbedachter Verwendung von Klischees zu unterscheiden. Sansas Handlungsbogen lässt sie jedoch nach und nach proaktiver in Bezug auf ihr Schicksal, lässt sie ein eigenständiger Charakter werden,  der die Regeln des tödlichen Spiels um Krone und Throne lernt. In der Zukunft kann kein Zweifel bestehen, dass sie von Spielfigur zu Spieler wird. Die Macht, die sie dabei ausüben wird, ist nicht die offensichtliche, physische Kraft von Brienne oder Jessica, sondern eine Macht im Verborgenen. Sansa ist damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie weibliche Charaktere sich in Geschichten entwickeln können, ohne rein physische Qualitäten dazu zu gewinnen, Kriegerinnen oder dergleichen zu werden. Es ist zudem eine Absage an die Implikation im Begriff der „Starken Frau“, dass nur Fantasy-Frauen in Männerdomänen als stark gelten können.

(Ein Exkurs: Dass es in der fünften Staffel Game of Thrones zu so einem großen Aufschrei über die  Vergewaltigungsszene mit Sansa kam, hat meiner Meinung nach wenig mit dem Akt an sich zu tun gehabt – immerhin ist es Game of Thrones – sondern viel damit, dass es die gegen Ende der vorigen Staffel angekündigte Charakterentwicklung hin zu mehr Initiatiove im Spiel um Macht für einen billigen Schockmoment rückgängig machte.)

Was habe ich in viel zu vielen Worten herauszustellen versucht? Was lässt sich zusammenfassend über „Starke Frauen“ sagen?

„Stark“ ist vielleicht der falsche Ausdruck. Griffig mag er sein, aber er weckt auch ein falsches Bild, ein Bild von unnachgiebigen, unfehlbaren Charakteren, deren Stärken ihre Fehler – so vorhanden – deutlich überschatten. „Komplex“ wäre ein passenderes, wenn auch auf den ersten Blick schwieriger zu greifendes Wort. Komplexe weibliche Charaktere – komplexe Charaktere an sich – sollten sein, wonach AutorInnen streben, wenn sie Fantasy-Frauen schreiben, Charaktere, die ihre eigenen Motivationen, Vorlieben, ihre eigenen Fachgebiete und ihr eigenes Können ins Spiel bringen, aber die auch von eigenen Ängsten, Unzulänglichkeiten, ja, Dämonen getrieben werden. Auch eine „Starke Frau“ soll ihre Schwächen haben, denn nur so wird sie für den Leser interessant. Dabei sollten die Charaktere nicht an bestimmte, „starke“ Rollen gebunden sein. Auch in der „klassischen“ Frauenrolle kann ein Charakter Stärke und Komplexität zeigen und die Handlung beeinflussen, kann für den Leser interessant, nachvollziehbar, vielschichtig sein.

Ich liebe starke weibliche Charaktere.

Halt, das möchte ich neu formulieren: Ich liebe starke Charaktere und das Geschlecht ist dabei zweitrangig. Ich versuche, starke Charaktere (die zufällig Frauen sind) zu schreiben und ertappe mich selbst immer wieder dabei, keinen ganz so weiten Bogen ums Klischee zu schlagen, wie ich gerne möchte. Es gibt – wie für so vieles in der Kunst – leider (glücklicherweise?) auch hier keine Patentrezepte. Meine Vermutung lautet, dass bei der Schaffung eines Charakters geschlechterbezogene Eigenschaften niemals an erster Stelle stehen sollten. Man sollte sich fragen: Wer ist der Charakter, was tut er, was sind seine Wünsche, was treibt ihn, was hält ihn zurück? Wie sieht er sich selbst? Wie löst er Konflikte?

Das heißt natürlich nicht, dass das Geschlecht ausgeklammert werden sollte, gerade in Welten, in denen die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Geschlecht noch Konsequenzen hat (Wie zum Beispiel in unserer). Es bedeutet vielmehr, dass die Frage nach dem Geschlecht eine Frage ist, die immer im Bezug zur Umwelt gestellt werden sollte. Nicht: Wie würde jemand aus der homogenen Masse „Frau“ handeln? Sondern: Mein Charakter verhält sich folgendermaßen. Wie reagieren andere Charaktere, welchen Einfluss hat das Geschlechterbild meines Settings, welches das der Gesrächspartner?

Der leichte Weg – physische Stärke, typische Männerdomänen – ist dabei nicht immer der beste und selten der eleganteste. Spielt mit Klischees, spielt mit Erwartungen, verankert Charaktere in Welt und Umwelt, verzichtet auf Predigten, aber nicht auf Ehrlichkeit. Ich wünsche mir keine weiblichen Charaktere, die jedem Widerstand und Problem gewachsen sind, sondern komplexe Persönlichkeiten mit Stärken, Fehlern, Eigenheiten.

Es ist höchst erfreulich, dass im letzten Jahrzehnt weibliche Hauptrollen und Nebencharaktere auch in der lange eher männerdominierten Fantasy keine Seltenheit sind. Über die Ursachen darf gerne spekuliert werden – handelt es sich um ein Echo gesellschaftlicher Entwicklungen? War die Zeit einfach reif? Hat die Zahl von Fantasyleserinnen zugenommen? Oder waren sie schon immer da und werden einfach endlich wahrgenommen? Möglicherweise – höchstwahrscheinlich – haben wir es mit einer gesunden Mischung aller genannten Gründe zu tun und noch einigen mehr.

Anderer Meinung? Habe ich was vergessen, übersehen, falsch dargestellt? Habe ich einfach nur den Knall nicht mehr gehört? Hinterlasst doch ruhig einen Kommentar, wenn ihr derartiges oder mehr zu sagen habt.

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4 Gedanken zu “Starke Frauen – Strong Female Characters

  1. Hallo Saryn.

    Ich würde nie sagen, dass Du einen etwaigen Knall nicht gehört hast. Schön dargestellt und beschrieben, allerdings ist dies ein Thema, wo ich mir immer denke: Omnipotenz. Also nichts gegen Deinen Beitrag dazu, aber in der heutigen Zeit mit all den Gender-Normen und ‚Benachteiligungen‘ (ich setze es bewusst in einfache Anführungsstriche) ist dies eines der Themen, die links rein und rechts wieder raus gehen. In dem Zusammenhang warte ich noch auf die Einführung einer Quotenregelung, die genau regelt, wann ein weiblicher Darsteller wann, wie oft, oder wie lange in einer Geschichte aufzutauchen hat.

    So schreibe ich nicht, wo werde ich auch nie schreiben. Weibliche Darsteller in meinen Ergüssen sind nicht politisch, oder aufgrund eines inneren Gerechtigkeitsempfindens dort, sondern weil sie etwas zu sagen haben. Weil sie tatsächlich leben, atmen, miteinander agieren, wie sie auch mit den anderen Geschlechtern agieren. Es geht schließlich um die Geschichte, wo sie genauso ein Abbild der Welt sind – oder ein errechnetes aus einer anderen – wie alle anderen Darsteller auch.

    Da diese Omnipotenz aber schon seit langer Zeit stört, habe ich – ich gebe es zu – aus Frust einen Gedanken ausformuliert, der aktuell in einem Geschreibsel ist, der leider etwas ruht. Der Gedanke: Was wäre, wenn Frauen mit einer Zeitmaschine zurück in die Vergangenheit reisen und versuchen würden, 1888 Jack the Ripper zu finden?

    Natürlich sollten es irgendwie geartete ‚Polizisten‘ oder Vergleichbares sein. Natürlich sollten in diesem Zusammenhang Männer entweder neutral oder negativ auftauchen, um – nicht nur – Sympathien für die drei Damen zu fördern.

    Abgesehen davon sind auch meine drei ‚Engel‘ durchaus Abbilder von realen Personen, die ich kennen gelernt habe: Eine Bundespolizistin, eine Frau aus der Palatinergarde des Vatikans und eine Militärpolizistin der Marine. Wobei ich gestehen muss, dass es die Garde nicht mehr gibt, Frauen im Vatikan nicht erlaubt sind und die Marine keine eigene Polizei hat, sondern ebenfalls die Feldjäger an Bord hat – aber was solls?

    Ist doch eh nur eine Parallelwelt.

    Schöner Blog übrigens. 😉

    LGD.

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    1. Hallo Dread,

      schön, dass dir Eintrag und Blog gefallen. Auf die Gender-Diskussion möchte ich mich jetzt gar nicht groß einlassen, Erfahrung diktiert, dass man da doch meist Fässer mit aufmacht, die im Nachhinein bodenlos erscheinen.
      Eine Quote würde ich allerdings niemals fordern und tue es in dem Artikel auch nicht. Ein Charakter wird früher oder später dem Autoren eh mitteilen, wer er ist, männliche, weibliche Charaktere – das muss organisch passieren, nicht im Rahmen einer Liste zum abhaken. Wobei ich auch nicht wirklich glaube, dass du das aus meinem Text herausgelesen hast, schließlich hast du ja meist in deinen Geschichten einen differenzierten Cast.
      Bezweifle auch, dass irgendwer so eine Quotenregelung einführen wird 😉

      Persönlich denke ich nur, dass es ein wichtiges Thema ist, dem man sich weder verschließen kann, noch sollte. Damit will ich mich gar nicht den extremeren Positionen auf beiden Seiten gegenüber positionieren (extreme Positionen sind selten logisch). Meiner Meinung nach hat es noch keiner kreativen Person geschadet, einen Schritt zurück zu machen und sich zu überlegen, welche unausgesprochenen Überlegungen seinen/ihren Texten zugrunde liegen, und ob es einen guten Grund gibt, an ihnen festzuhalten (und es kann gute Gründe geben). Nilan, in meinem aktuellen Großprojekt, war in früheren Fassungen immer männlich, aber ich hatte noch keine drei Sätze mit dem Charakter geschrieben, als mir auffiel – verdammt, wie konnte ich so blind sein? – dass sie in Wirklichkeit eine junge Frau ist. Das hat wiederum eine Vielzahl neuer Erzählstränge und Wege zur Charakterisierung eröffnet und sie mit einem Schlag zu dem Charakter gemacht, für den zu schreiben mir auf Satz-zu-Satz-Basis am meisten Freude bereitet.

      MfG.

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  2. Starke Frauen … durchaus auch ein interessantes Thema, auch wenn es irgendwie auch mit den Tropen und dem Klischee zusammenhängt. Dann und wann habe ich das Gefühl, dass so manche Frau nur dabei ist, um die Quote zu erfüllen, weil einfach eine Frau dabei sein muss. Da finde ich es „ehrlicher“ wenn es wirklich eine reine Männergruppe ist, die zum Beispiel loszieht um den Ring zu zerstören. Dafür bleiben wir hier dem mittelalterlich geprägten Bild treu. (Inwiefern wir da nicht einem Trugschluss unterlegen sind bleibt mal dahingestellt)

    Auch das Bild wie die Prinzessin, sich gegen alle Erziehung und gesellschaftliche Regeln hinwegsetzt um eine Kriegerin zu werden, erscheint mir inzwischen überlastet. Interessant wäre hier mal die Geschichte, wie sie an diesem Weg scheitert, nur um dann doch noch ihren Platz auf dem Thron einzunehmen. Doch ich merke gerade wie ich abschweife.

    Ich finde, ja, dass ein Charakter glaubwürdig sein muss. Egal ob Mann oder Frau sie müssen in ihre Welt passen., sodass dann die Genderfrage eigentlich zweitrangig sein müsste.

    Wie du merkst, lese ich deine Artikel sehr begeister und falls du doch noch das Patentrezept fürs Charaktererschaffen findest, lass es mich bitte wissen.

    LG Sophie

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    1. Freut mich, dass es dir gefallen hat 🙂

      Wie gesagt, zwangsweise weibliche Charaktere einbauen um irgendwelche Zielgruppen anzusprechen halte ich für einen Schritt zum kreativen Bankrott. Alles solle natürlich aus der Geschichte erwachsen. Einer meiner Charaktere etwa hat nie richtig funktioniert, bis ich eines Tages bemerkt habe, dass er eigentlich eine junge Sie war. Seitdem schreibe ich sie unglaublich gerne – aber nicht, weil sie eine Frau ist, sondern weil sie natürlich funktioniert.

      Und natürlich sage ich bescheid, wenn ich das Patentrezept gefunden habe. Vorausgesetzt, du tust das selbe 😉

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