Zwischen meinen längeren Beiträgen möchte ich immer mal wieder – vollkommen unregelmäßig – ein paar der kleinen Dinge rund ums Schreiben angehen, die mich faszinieren, irritieren, frustrieren oder die mir einfach nur zwischen den täglichen Dosen Kaffee durch den Kopf gehen. Das hier ist der erste Zwischendurch-Post.

Zugegeben: Dieser Beitrag entsteht hauptsächlich, weil ich sonst ernsthaft schreiben müsste und das ruft momentan nicht selten den schwer zu widerstehenden Drang hervor, sich unterm Schreibtisch zusammenzurollen und die Finger in den Ohren zu stecken. Es ist dieses Gefühl, dass alles, was man auf die Seite bringt – wenn man etwas auf die Seite bringt, mit Ketten und einem schweren Gespann und unter Peitschenhieben – abgestanden, unbeholfen, einfach nur durch und durch katastrophal ist. Viel davon hängt (hoffentlich) mit Lernstress und dergleichen zusammen, was es nicht weniger frustrierend macht. Es ist, als stünde etwas zwischen mir und dem (digitalen) Blatt Papier oder zwischen mir und den Charakteren oder zwischen mir und dem Wortvorrat, den ich weggeschlossen zu haben scheine. Das sind die Tage – und es sind nicht wenige – an denen ich mit schiefen Grinsen meinen Lieblingswitz zum Thema wie ein Mantra wiederhole: Ich liebe das Schreiben, aber noch mehr liebe ich es, geschrieben zu haben.

Ein Teil davon hängt natürlich mit dem grundlegenden Problem des kreativen Prozesses zusammen: Der Übersetzung dessen, was hinter der Stirn und in der Brust wachsend perfekt, makellos und noch dazu so leicht erscheint, hinüber aufs Papier, quasi die Umwandlung von Gedanken zu etwas, das beinahe physisch greifbar ist. Das ist zumindest für mich der Moment, in der die Probleme mit der jeweiligen Idee offensichtlich werden, in dem Zusammenhänge geschaffen werden müssen, die im Gedankenfluss der Konzeptionsphase nicht aufkommen. Es ist der Handwerksteil der Kunst. Vielleicht ist es deshalb so wichtig, mit der mystischen Idee von Kreativität zu brechen, den Schreibprozess zu entzaubern. Nicht so sehr für diejenigen, die einmal konsumieren was wir als Autoren, Maler, Zeichner und dergleichen schaffen, sondern für uns als Schaffende selbst. Ich halte es für wichtig, wenn auch nicht einfach, sich bewusst zu werden, dass der Anteil des handwerklichen bei jeder Art von Kunst nicht unerheblich ist. Sicher, jeder weiß von Momenten purer Inspiration zu berichten, in denen man kaum Fleisch und Blut, sondern ein Verbindungsstück zwischen der kosmischen Idee dort draußen und der Tinte auf dem Papier vor sich wird. Aber solche Momente sind – zumindest für mich – die Ausnahme oder zumindest nicht der überwältigende Anteil am Schreibprozess.

Das bedeutet auch, sich einen halbwegs geregelten Schreibprozess und vielleicht feste Zeiten zum Schreiben festzulegen. Talent mag eine Rolle spielen, aber Hartnäckigkeit und Übung werfen weite Schatten. Und hier schließt sich dann auch der Kreis. Sicherlich führt regelmäßiges Schreiben zu Verbesserungen, zu besserem Verständnis dessen, was wir da eigentlich treiben, wenn wir Charaktere, Geschichten und Welten durch Stift und Finger kanalisieren. Aber rein statistisch bedeutet es wohl auch, sich mit einer Menge an Tagen abfinden zu müssen, an denen die Dinge einfach nicht richtig ineinander greifen wollen.

Bei mir kommt hinzu, dass ich die Art, wie ich Geschichten schreibe, momentan regelmäßig neu konzipiere, um sie wieder umzuwerfen. Lange galt für mich die Faustregel, dass ich in Kurzgeschichten mit festeren Rahmenvorgaben arbeite und für längere Texte quasi explorativ vorgehe. Dann hat die Muse für ein paar Kurzgeschichten geküsst, die sich förmlich von selbst geschrieben haben und ich bin in die Falle getappt, diese Momente er puren Inspiration irgendwie replizieren zu wollen – oder zumindest zu warten, bis sie von selbst aufkamen. Das hatte lange Phasen zur Folge, in denen ich so gut wie gar nichts geschrieben habe. Gleichzeitig bin ich dazu übergegangen, längere Texte viel intensiver vorauszuplanen, was in manchen Fällen zu einem beinahe lähmenden Respekt vor der Idee führt und viele Seiten leer lässt. Andererseits sind die Kapitel, die ich so produziere besser als die, die aus dem explorativen Prozess hervorgehen.

Ich lese momentan ein Buch von Neil Gaiman. An einer Stelle erinnert er sich an ein Gespräch mit Fritz Leiber, in dem Gaiman begeistert erklärt, er habe endlich gelernt, wie man Romane schreibt. Und Leiber lacht und entgegnet, so etwas gäbe es nicht. Man kann immer nur lernen, wie man den Roman schreibt, den man gerade schreibt. Vielleicht ist das die wichtigste Feststellung. Für Kunst gibt es keine Patentrezepte, alle Regeln sind letztlich Empfehlungen und was jahrelang für den Schaffenden funktioniert hat, mag aus unerfindlichen Gründen plötzlich nicht mehr funktionieren. Der Schaffensprozess ist notwendigerweise iterativ, sonst läuft er Gefahr, formulaisch zu werden. Davon hat dann auch niemand etwas.

Feste Regeln habe ich fürs Schreiben nicht, aber an ein paar Grundrichtlinien versuche ich festzuhalten, es sei denn, sie funktionieren überhaupt nicht.

  • Schreibe regelmäßig
  • Erst fertig schreiben, dann korrigieren
  • Plane (oder auch nicht)
  • Die Muse arbeitet hier nicht mehr
  • Alles was du anfängst, musst du beenden (Schlupfloch: Ich sage nicht, wann!)
  • Eine Rohfassung hat den Namen nicht umsonst, der zweite Durchlauf wird besser
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