montagsfrage_banner

Nachdem ich den Montagsfragen von buch-fresserchen schon ein wenig länger folge, möchte ich mich jetzt auch mal beteiligen, denn die aktuelle Frage finde ich höchst interessant. Planloses Meandern in 3… 2… 1…

Cliffhanger sind so eine Sache … Ich denke, dass sie gut verwendet werden können, nur werden sie das selten. Außerdem funktionieren sie in manchen Medien besser als in anderen. Während ich kein Problem damit habe, wenn eine Folge Jessica Jones mit einem Cliffhanger endet, stößt mir das in einer Buchreihe deutlich stärker auf. Ein Grund könnte einfach der zeitliche Abstand sein. Bei Netflix klicke ich auf die nächste Folge oder warte mal eben eine Woche, wohingegen zwischen zwei Bänden einer Reihe Monate oder Jahre liegen können.

Cliffhanger kommen zudem schnell als billige Spannungsmache rüber. Handlungen, die nach dem Warum, nach den Motivationen und Hintergründen von Ereignissen fragen, finde ich grundsätzlich interessanter als solche, die sie nur mit dem Was befassen. Cliffhanger stellen aber immer nur die Frage nach den nächsten Ereignissen, indem sie uns in einer spannungsgeladenen Situation zurücklassen und einen Teil des Geschehens weglassen. Und das ist noch so eine Sache: Mit der langen Zeit zwischen zwei Büchern ist es nahezu unmöglich, die beschworene Spannung aufrecht zu erhalten, bis der Leser wieder in die Handlung einsteigen kann.

Cliffhanger funktionieren besser, wenn sie an Kapitelenden eingesetzt werden, zumindest, wenn die Handlung vielleicht erst in ein oder zwei Kapitel weitererzählt wird und wir vorher einem anderen Charakter folgen. Folgt die Auflösung direkt – oder erweist sich als billiger Trick – hätte der Autor den Cliffhanger auch direkt weglassen können.

Mit offenen Enden habe ich weniger Probleme, vorausgesetzt sie erwachsen organisch aus der Geschichte. Das bedeutet, dass der Autor uns zuvor genug Hinweise gegeben hat, etwa über die Motivationen seiner Charaktere, dass wir mögliche Enden selbst herleiten können. Einfach mittendrin aufhören zu schreiben ist kein offenes Ende! Für offene Enden gilt das gleiche wie für jedes Ende oder jede Handlungsentwicklung: Es sollte Sinn im Kontext der Geschichte machen und nicht aus dem Nichts kommen oder bewusst verschleiernd sein.

Für ein gutes Beispiel für ein offenes Ende, in dem der Großteil der Handlung trotzdem abgeschlossen ist, empfehle ich Guy Gavriel Kays Tigana.

Uuuuund … ich hab geschwafelt und immer noch nicht das Gefühl, alles gesagt zu haben.

Advertisements

4 Gedanken zu “Montagsfrage: Wie kommst du mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger klar?

  1. Gute offene Enden finde ich auch super! Ein offenes Ende, das in der Geschichte angelegt wurde, ist stimmig und gibt Raum zum Nachdenken. Wobei ich bewusst verschleiernd auch nicht verkehrt fände, so es denn passt und ich den Sinn der Verschleierung erkenne.

    Mit Cliffhangern tue ich mich hingegen schwer und lese daher auch keine Reihen, bei denen der letzte Band noch nicht erschienen ist. Ich finde hier Deinen Ansatz interessant, und ich denke, dass es genau das ist, was mich an Büchern stört, die jedes Kapitel mit einem Cliffhanger abschließen – dass es in der Tat mehr um das Geschehen als um die Hintergründe und Motivationen geht. Hier und da eingesetzt, kann ein solcher Cliffhanger schon spannend sein, ich mag es aber auch, wenn eine Szene innerhalb eines Kapitels abgeschlossen wird.

    Gefällt 1 Person

    1. Ein weiteres gutes Beispiel für ein gutes, offenes Ende ist China Miévilles „Perdido Street Station“ und wenn ich mir das so ansehe, komme ich zum Schluss, dass gute offene Enden nur in wenigen Aspekten offen sind. In Perdido sind die Hauptplots abgeschlossen, aber die Welt ist nicht mehr die selbe, wie zuvor und welche Konsequenzen das haben wird, bleibt offen. Ebenso das genaue Schicksal eines Protagonisten, auch wenn er den Hauptplot bei lebendigem Leib überstanden hat. Ein gutes offenes Ende bringt die Charaktere auf neue Pfade, aber nicht unbedingt auf einen neuen Kurs.

      Das mit den angefangenen Reihen ist so eine Sache … Eigentlich stimme ich dir zu – und dann schau ich in mein Regal. Ich bin froh, „Das Lied von Eis und Feuer“ nicht als abgeschlossene Reihe begonnen zu haben, denn das Rätselraten und zerpflücken des Texts nach Hinweisen ist ein derart spannendes Detektivspiel, dass ich es nicht missen möchte. Um mal ein nutzloses Fazit zu ziehen: Kommt wohl immer auf die Reihe an^^

      Szenen sollten immer in sich geschlossen sein, finde ich. Wenn ein Kapitel von der Entschlüsselung eines Mysteriums handelt, sollte es nicht damit Enden, dass der Protagonist die Lösung findet und dem Leser vorenthält. Die Konsequenzen der Entdeckung können aber meiner Meinung nach aber durchaus Teil eines neuen Kapitels sein, schließlich sind sie im Grunde Beginn eines neuen Handlungsstrangs.

      Gefällt mir

  2. Hellooow! -^.^-

    Grundsätzlich komme ich mit einem offenen Ende oder einem Cliffhanger ganz gut klar. Beides muss aber stimmig sein und zur Geschichte passen. Bei manchen Bücher passt ein offene Ende einfach perfekt und alles andere würde nur die Geschichte ruinieren.

    Offene Enden machen die Geschichte noch realistischer und deswegen habe ich auch sehr gern 🙂

    Hier findest du meinen Beitrag für diese Woche ^_^

    Liebe Lesegrüße,
    Lumina

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s