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buch-fresserchen ist zurück mit einer neuen Frage, T | F | S mit einer Antwort – und einem Geständnis: Ich muss wohl ein Sozipath sein. Oder so.

Ehrlich gesagt habe ich noch nie darüber nachgedacht. Ich habe generell kein Problem mit leidenden Charakteren – oder damit, meine Charaktere leiden zu lassen. In Situationen, in denen Charaktere etwas tun müssen, dass ihnen widerstrebt oder schwer fällt, entsteht nun mal Spannung. Um aber mal dem Witz zu Anfang zu widersprechen: Das heißt nicht, dass mich so etwas völlig kalt lässt – nur habe ich halt kein schlechtes Gewissen, wenn Frodo hungern, Simon Mondkalb fliehen, oder Vlad Taltos einen ehemaligen Kameraden ans Messer liefern muss. Der Grund dafür ist schlicht: Ich habe keinen Einfluss darauf, ob es ihnen widerfährt, ich bin ja nur der Leser. (Warum es mir als Autor wenig Probleme bereitet, ist dann wieder eine ganz andere Frage. Vielleicht hätte ich den Witz doch nicht so schnell abtun sollen.)

Ganz anders sieht das bei Video- und Computerspielen aus. Mein letzter Versuch, ein Spiel als absoluter Mistkerl (in diesem Fall eine Mistkerlin) durchzuspielen, fand zu Zeiten von Knights of the Old Republic statt, also quasi in grauer Vorzeit. Seitdem habe ich es gar nicht mehr versucht. Wenn ich in Rollenspielen Entscheidungen treffen muss, die Konsequenzen für mich oder Nebencharaktere haben, entscheide ich mich in der Regel für die bessere Option, sonst meldet sich in der Tat das schlechte Gewissen. Aber in diesem Fall bin ich auch (im abgesteckten Rahmen des Spiels) der aktive Entscheidungsträger. Situationen, in denen die Entscheidungsmöglichkeiten weniger klar ausfallen als gewöhnlich – etwa in so ziemlich jeder Quest der Witcher-Spiele – brauche ich deshalb manchmal lange, um meine Wahl zu treffen.

PS: Nach kurzer Durchsicht anderer Montagsantworten scheint der allgemeine Konsensus zu sein, dass wir wohl alle herzlose Monster sein müssen.

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9 Gedanken zu “Montagsfrage: Habt Ihr ein schlechtes Gewissen gegenüber Protagonisten, wenn die bspw. hungern müssen und Ihr nebenher futtert?

  1. Guten Morgen,

    ist ein Thrillerautor ein schlechter Mensch oder gar ein Soziopath, weil er seine Figuren leiden lässt? *schmunzel* Und ebenso ein interessanter Ansatz, die Frage auf Videospiele zu erweitern! Also wenn das soooo ist – bin ich in der Bücherwelt ein heilloser Empath, in WoW, Witcher und Co definitiv ein Soziopath, denn im Kontrast zum wahren Leben wähle ich dabei grundsätzlich das Böse. Habe ich nun eine gespaltene Persönlichkeit? Hilfe, was für ein Start in die neue Woche …

    Mein Beitrag :o)

    Liebe Grüße
    Patricia

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    1. Das mit dem Soziopathen war natürlich nur ein Scherz😉
      Ich bin immer ganz vorne mit dabei, wenn jemand Stephen King und Co. vorwirft, ein verkappter Serienkiller zu sein, nur weil er über solche Dinge schreibt. Autor =/= sein Werk.

      Gespaltene Persönlichkeiten sind dann aber wieder ein ganz anderes Thema. Ein bisschen Schizophrenie gehört womöglich zum Schreiben dazu😉

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  2. Das war mal eine grandiose Antwort auf die Montagsfrage, jetzt erkenne ich endlich, was für eine kaltblütige Spezies wir Buchleser sind 😀
    Ich habe in meinen Büchern, fast immer nur Fantasy, so gut wie kein schlechtes Gewissen, wenn die Figuren leiden und ich quitschvergnügt auf die nächste große blutige Schlacht warte. Tatsächlich ist mein Mitleid nur auf Figuren begrenzt, die mir ganz besonders am Herzen liegen, aber es geht nicht so weit, dass ich z.B. mich schluchzend zu Boden werfe und in Depressionen verfalle. Das wäre dann wirklich verrückt, denn letztenendes ist selbst die beste Geschichte ja nur etwas fiktives, was gar nicht existiert.

    LG
    Julia von Lizoyfanes

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    1. Wir sind einfach die schlimmsten. Nehmt Kindern die Bücher weg, die verstumpfen doch total!

      Ich muss aber auch sagen, dass es Bücher gibt, die mich tief schockiert, traurig oder verstört zurückgelassen haben. Ganz tot kann ich innerlich also noch nicht sein. Ich empfinde nur halt kein schlechtes Gewissen, weil ich ja – wie gesagt – nun mal nicht aktiv an der Handlung teilnehme.

      Warum ich über schlimme Dinge schreiben kann, ohne mit den Wimpern zu zucken ist dann noch mal eine ganz andere Nummer 😀

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  3. Huhu,

    vielleicht macht es dir als Autor nichts aus, deine Figuren leiden zu lassen, weil du weißt, dass es für ihre Entwicklung unausweichlich ist? Der Gedanke ging mir nämlich auch durch den Kopf. Warum sollte man ein schlechtes Gewissen gegenüber fiktiven Figuren haben, wenn man doch weiß, dass ihr Leiden sie als Persönlichkeit voranbringen wird? Das sind eben die Regeln des Geschichtenerzählens.

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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    1. Ich halte es mitunter ein wenig mit Stephen King: Die Geschichte ist ein Fossil, wir legen es nur frei. Können also die Hände in Unschuld waschen.

      Ich bin deshalb etwas irritiert gewesen, als J.K Rowling vor langer Zeit über den Tod eines Charakters berichtete, die Entscheidung ihn zu töten, habe sie zum Weinen gebracht.

      Gefällt 1 Person

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