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Alle Montage wieder eine Frage zum Wochenanfang von buch-fresserchen.

Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es für mich nicht wirklich – jedenfalls nicht, ohne ins Detail zu gehen. Unterschiedliche Bücher können auf unterschiedliche Weise zu Highlights werden. Hillary Mantels Wolf Hall begeistert mich aus anderen Gründen als Das Lied von Eis und Feuer, das mich aus anderen Gründen begeistert als Terry Pratchetts Bücher, die mich aus anderen Gründen begeistern als die von Guy Gavriel Kay.

Wenn ich ein gemeinsames Element finden müsste, würde ich sagen, dass es mit der Art des Schreibens zusammenhängt. Dabei ist nicht so sehr der Stil gemeint, sondern die Einstellung, mit der der Autor schreibt: ob er authentisch ist oder nicht, ehrlich oder nicht. Ob er den Leser nicht für dumm verkauft, indem er unlogische Wendungen einbaut, die nur dem Schock dienen. Ob er Tropen verwendet, weil er interessantes mit ihnen anzustellen weiß, oder bloß, weil er das Gefühl hat, sie gehören einfach in jedes Buch eines beliebigen Genres. Ob er Recherche betrieben hat, oder offensichtliche, vermeidbare Fehler einbaut. Das sind alles Punkte, über die ich nicht umsonst bereits geschrieben habe.

Aber auch das ist kein Garant für Highlight-Status. Zur Zeit lese ich Tad Williams The Dragonbone Chair. Ich mag die Welt, die das Buch präsentiert, mag den Plot, der sich entwickelt – nur entwickelt er sich derart langsam, dass selbst Williams guter Stil und seine gute Schreibe die ersten hundertfünfzig Seiten zu einer echten Herausforderung an meine Geduld machen. Während ich schon jetzt genau weiß, dass ich auch die beiden anderen Bände der Reihe lesen werde, habe ich bis jetzt noch nicht für mich herausgefunden, ob ich das Buch wirklich gut finde – oder ob seine Fehler verhindern werden, dass ich es als Highlight klassifizieren würde (gerade im Vergleich mit tatsächlich schlechter Fantasy, von der ich in meinem Leseleben mehr als genug konsumiert habe).

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8 Gedanken zu “Montagsfrage: Was muss ein Buch haben, um für dich als Lese-Highlight zu gelten?

  1. Huhu 🙂

    Meiner Ansicht nach ist der entscheidende Faktor, der ein Lese-Highlight auszeichnet, meine Liebe zu dem entsprechenden Buch. Es gibt viele Bücher, die mich begeistern, aber nur vergleichsweise wenige, in die ich mich Hals über Kopf verliebe. Das macht ein Lese-Highlight für mich aus. Eine Geschichte, die mir auf der emotionalen Ebene unter die Haut geht.

    Übrigens: halte durch. Der erste Band von Tad Williams Saga war auch für mich eine ziemliche Herausforderung, aber all der Aufwand lohnt sich. Versprochen. 😉

    Viele liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Elli,
      die Sache mit Liebe zum Buch als Indikator ist: Ich habe schon Bücher gelesen, die ich mochte, aber erst mit mehrmaligem Lesen und der Erkenntnis, wie viel unter der Oberfläche steckt, wirlich zu geliebten Werken geworden sind.

      A propos Tad Williams: Ich habe das Buch vor vielen, vielen Jahren schon mal auf deutsch gelesen, bin dann vor einiger Zeit auf (die deutsche Übersetzung von) „The Burning Man“ gestoßen und habe es geliebt. Vieles davon scheint in „Dragonbone Chair“ durch, aber dazwischen merkt man leider sehr stark, dass es sein erstes großes Buch ist. Und dann das ganze Perspektivgespringe …
      Trotzdem ist der nächste Band bereits auf meiner Wunschliste 😀

      Liebe Grüße,
      pw

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  2. „Wölfe“ war für mich zwar kein Highlight, aber ich habe es sehr gerne gelesen. Terry Pratchett finde ich großartig, jedenfalls die meisten Bücher. Du hast recht, es sind ganz unterschiedliche Dinge, je nach Buch. Interessant finde ich, dass Du Dich auf die Einstellung des Autors beziehst. Unlogischen Wendungen zu Schockszwecken kann ich auch nichts abgewinnen, mir ist immer wichtig, dass es stimmig und glaubwürdig ist.

    Liebe Grüße

    Claudia

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Claudia,
      wenn ich von Einstellung spreche, meine ich weniger, was der Autor beabsichtigt hat, oder welche Haltung er zum Inhalt seines Texts hat, sondern vielmehr, die Einstellung, mit der er dem Leser gegenübersteht: Traut er ihm zu, Offensichtliches zu erkennen? Hält er ihn für einfältig genug, um ihn mit abgenutzten Tropen abspeisen zu können? Denkt er, der Handlung unlogische Wendungen aufzwingen zu können, weil es ja „nur“ Unterhaltung/Fantasy/XYZ ist?

      Vielen Dank für deinen Kommentar,
      pw

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      1. Woran erkennst Du denn, ob zum Beispiel eine unlogische Handlung an der Einstellung des Autors liegt oder er es einfach nur nicht besser weiß, die Wendungen vielleicht selbst nicht als unlogisch ansieht? Ich finde das schwer auseinanderzuhalten. Ebenso ob er einem zutraut, Offensichtliches zu erkennen. Vielleicht tut er es und weist trotzdem darauf hin, weil er denkt, dass er alles erzählen muss. Wobei ich auch immer genervt bin, wenn mir ein Autor etwas zig mal erklärt, da denke ich mir tatsächlich auch mal „Denkt der eigentlich ich bin blöd und hab das immer noch nicht kapiert?“.

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      2. Gerade für Fantasy sind Klassiker so Dinge wie Magie, die plötzlich ganz andere Dinge fertig bringt, ohne dass es vorher angedeutet wurde – manchmal sogar mit Widersprüchen zum vorangegangenen Text. Das sind oft derart offensichtliche Dinge, dass es bei Korrekturlesen auffallen sollte.

        Vielleicht springe ich auch etwas zu hart mit meinen Strohmännern um. Herauszufinden, wo welche und wie viele Informationen in einem Text vermittelt werden müssen, ist schließlich eine DER Herausforderungen am Schreiben und alles andere als einfach.

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