Wer Fantasy schreibt, Horror, Science Fiction, der wird nicht selten mit einer bestimmten Einstellung konfrontiert. „Richtige Literatur“, so oft die Meinung, findet sich nicht in diesen Genres – „Genre“ selbst ist Indikator für mindere Qualität. Selbst der Deutschen liebstes Genre, der Krimi, kann dem nicht recht entkommen. Krimis werden zur Unterhaltung gelesen, obwohl man weiß, dass es ja eigentlich „besseres“ gibt. Literatur halt. Und der gewöhnliche Krimi spielt ja immerhin in der „echten Welt“.

Einiges davon hängt sicherlich mit wahrgenommenen und tatsächlichen Klischees zusammen, anderes mit der Idee vom „guten Buch“, ein Thema, das ich ebenfalls schon einmal angerissen habe. Genrefiktion ist in diesem Kontext der gängige Begriff um etwa Fantasy, Horror, YA, Krimi, Thriller, etc. unter einem Schirm zusammen zu fassen. Dem Gegenüber steht, was im englischen Sprachraum als „Literary Fiction“ bezeichnet wird. „Richtige“ Literatur eben.

Genrefiktion ist oftmals primär am Plot interessiert, an einer klaren Handlungsvorgabe, die bis zu ihrem logischen Ende verfolgt wird. Im Krimi ist es die Überführung, Festnahme oder auch Tötung des Mörders. In der Fantasy wird der dunkle Lord bezwungen oder der ware Königssohn auf den Thron erhoben. In Horror entkommt der Protagonist oder wird verschlungen. In der Science Fiction … zugegeben, hier fällt es schwerer, denn was Genrefiktion angeht, hat Science Fiction sich in vielerlei Hinsicht von mancher negativen Perspektive entfernt, nicht zuletzt, weil Klassiker wie 1984, Fahrenheit 451 oder viele Werke etwa Asimovs offensichtlicher in ihren Bezügen auf die Realität sind, als etwa Der Herr der Ringe. Sie bekommen quasi Asyl in einer Enklave, von der aus sie zumindest bei gutem Wetter einen Blick auf die hohen Ringmauern der „richtigen Literatur“ werfen können.

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Die Idee ist also, dass Genrefiktion von der guten Literatur, der irgendwie realeren Literatur, durch eine Art Entrückung entfernt ist. Quasi: Genrefiktion = Literatur – Realität. Oder auch: Genrefiktion = Geschichten + Abgehobenes. Auf der anderen Seite steht Fiktion mit literarischem Anspruch, eben „literary fiction“. Der Begriff an sich erlaubt eine gewisse Vorstellung vom vermuteten Inhalt, von Ideen und Themen, die mit Recht auf einen Sockel gehoben werden, auch wenn sich argumentieren ließe, dass dieser Eindruck im Kern rekursiv sein muss: Literary Fiction ist, was keine Genrefiktion ist, also was literarischen Anspruch hat – eine Defintion die nur wirklich bestehen kann, weil sie sich darüber definiert, was sie nicht ist. Interessant wird das ganze, wenn wir uns ansehen, positiven Definitionen für „literary fiction“ existieren. Um mich mal in Gefahr intelektueller Disqualifizierung zu begeben: Hier ist, was Wikipedia über „literary fiction“ zu sagen hat.

„Literary fiction comprises fictional works that hold literary merit; that is, they involve social commentary, or political criticism, or focus on the human condition. Literary fiction is deliberately written in dialogue with existing works, created with the above aims in mind and is focused more on themes than on plot, and it is common for literary fiction to be taught and discussed in schools and universities.“

Literary Fiction – Wikipedia

Zur „literary fiction“ gehören also Werke, die von „literarischem Wert“ sind, weil sie „Sozialkommentar“ oder „politische Kritik“ enthalten oder sich mit der „menschlichen Verfassung“ beschäftigen. Sie bedient sich dem Stilmittel der Intertextualität – beruft sich auf und spielt auf bestehende Werke an. Sie ist auf ihr Thema fokussiert, nicht so sehr auf den Plot. Und sie wird an Universitäten und Schulen gelehrt.

Zum Vergleich die Definition auf der englischen Wikipedia-Seite von „Science Fiction“, nur die ersten Worte, weil sie einen so schönen Kontrast bilden:

Science fiction is a genre of speculative fiction […]“

Science Fiction – Wikipedia

Ein Unterschied sticht ins Auge: Science Fiction ist augenblicklich als Genre identifiziert, „literary fiction“ aber nicht. Was seltsam ist. Denn, wenn wir mal ganz pedantisch sind: der Begriff „literary fiction“ als Mittel zur Gruppierung einer bestimmten Art von Literatur definiert ja im Grunde … ein Genre.

Man könnte jetzt nickelig sein und wieder zu einer Formel greifen. Nach der wäre dann literary fiction = Geschichte – Geschichte. Als haltlose Anschuldigung, die es ist, bringt uns das natürlich in der Diskussion nicht voran (- verkneifen konnte ich es mir dennoch nicht). Wikipedia ist da anderer Meinung: „literary fiction“ sei kein Genre, also nicht über Konventionen definiert, es gäbe aber wohl eine Reihe von Merkmalen, die helfen können, „literary fiction“ zu definieren. Dazu gehöre, dass „literary fiction“ sich auf „introspektive, tiefgreifende Charakterstudien“ konzentriere, auf „interessante, komplexe und ausgearbeitete Charaktere“. Die „innere Geschichte“ der Charaktere, die den Plot vorantreibe, stünde im Vordergrund und deren „detaillierte Motivationen rufen emotionale Reaktionen in Lesern hervor“. Im Stil sei „literary fiction“ „elegant geschrieben, lyrisch“.

Die Quellen, auf die sich dabei berufen werden, sind dabei wenig aussagekräftig und überschreiten nicht das Ausmaß von Meinungsbekundungen – was nichts Schlimmes ist, dieser ganze Beitrag hier ist schließlich eine lange, meandernde Meinung über ein Thema, zu dem ich als digitaler Niemand vermutlich als Letzter eine Authoritätsposition beziehen darf. Es ist lediglich daher kritisch zu sehen, da sich infolge einer kurzen Recherche der Verdacht aufdrängt, es auch hier mit gewissen rekursiven Elementen zu tun zu haben. Die Definition bezieht sich größtenteils auf Auszüge aus zwei Texten von Joyce G. Sarick und William H. Cole. Sarick beispielsweise ist Bibliothekarin, die Orientierungshilfen für Leser und Bibliothekare bezüglich Austattung von Bibliotheken geschrieben hat (also vermitteln soll wie bestimmte Zielgruppen angesprochen werden können) und bei der Notattion „Cole, 2009“ handelt es sich wahrscheinlich um den William H. Cole, der Workshops zu „literary fiction“ durchführt und Leitfäden zum Thema geschrieben hat.

Um meine Meinung zum Inhalt dieser Aussagen mal außen vor zu lassen und stattdessen eine Meinung zu etwas anderem zu präsentieren: Was hier argumentiert wird um zu versichern, dass „literary fiction“ kein Genre sei, ist nichts anderes als eine Genredefinition. Es mag eine sehr vage Definition sein, die sich sicherlich Fagen bezüglich ihrer Anwendbarkeit oder ihres Nutzens bei der Klassifizierung von Werken stellen müsste, aber indem sie dazu dient, eine bestimmte Art von Vertreter eines Mediums anhand bestimmter Kriterien von anderen Vertretern des Mediums anhand von deren Kriterien abzugrenzen, erfüllt sie alle Anforderungen einer Genredefinition.

Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Der Begriff Genrefiktion (und „literary fiction“) ist nicht nur überflüssig, er ist im Kern völlig inhaltsleer. Wenn Genres dazu dienen (wie sinnvoll oder effektiv auch immer), Kunst anhand ihrer Charakteristika zu kategorisieren, dann ist jede Klassifizierung von Kunst eine Klassifizierung nach Genre. Genrefiktion (also in dieser Definition z.B. Fantasy, Krimi, Science Fiction) als Gegenstück zu „literary fiction“ funktioniert also nicht recht,  weil letzteres selbst die (Minimal-)Kriterien eines Genres erfüllt. Anstatt Genrefiktion und „literary fiction“ einander als zwei Pole entgegenzustellen, müsste „literary fiction“ also von seinem Sonderstatus befreit werden und mit all den anderen Genres in den großen, weiten Teich geworfen werden.

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Aber sehen wir uns doch einmal die Argumente an, die in dieser Nicht-Genre-Definition aufgeworfen werden. Meine Absicht ist dabei übrigens keinesfalls, sämtliche Vertreter von Genre-Fiktion pauschal zu verteidigen oder alles, was unter „literary fiction“ fällt, gleichermaßen zu verdammen. Schlechte Bücher gibt es in jedem Genre. Stattdessen möchte ich im Folgenden die Argumente im einzelnen Angehen und darstellen, warum ich sie für problematisch halte.

In „literary fiction“ begegnet der Leser interessanten, tiefgründigen und komplexen Charakteren. Dem Studium dieser Charaktere wird die Hauptaufmerksamkeit des Textes zugewandt. Mal davon abgesehen, dass wenigstens „interessant“ eine äußerst subjektive Eigenschaft darstellt, scheint hier die Implikation hindurch, Genrefiktion zeichne sich durch diese Eigenschaften nicht aus. Nicht nur, dass Genrefiktion sich auf den Plot konzentriere – Nein! Schande! – der Plot wird noch nicht mal von den Motivationen der Charaktere getrieben. Sondern von … äh. Vermutlich von äußeren Umständen. Was irgendwie schlecht ist. Dabei ließe sich durchaus das Gegenargument machen, dass nur die Interaktion zwischen „innerer Geschichte“, also Motivation, Absichten, Innenleben, eines Charakters und den äußeren Umständen überhaupt einen Plot ergeben kann. Viel wichtiger ist mir aber, die Kernimplikation aufzuheben, Charaktere in Genrefiktion wäre unterentwickelt und simpel. Ich vermute, das Problem liegt hier im Blick von außen auf Genres, die daher als homogene Blöcke wahrgenommen werden. Natürlich hat nicht jeder Krimi hochkomplexe Charaktere, nicht jeder Fantasy-Roman setzt sich mit inneren Motivationen im großen Stil auseinander. Wie gesagt: In jedem Genre gibt es mehr als nur Meisterwerke (oder Machwerke). Aber Autoren pauschal vorzuwerfen, sie würden nur flache Charaktere agieren lassen, ist weder fair, noch haltbar. George R.R. Martins Charaktere in Das Lied von Eis und Feuer strotzen nur so von Persönlichkeit und unter der offensichtlichen äußeren Plotkarosserie von Bürgerkrieg und Intrige arbeitet eine Maschinerie aus zutiefst menschliche Emotionen und Absichten, die der eigentliche Antrieb der Geschichte ist. Terrry Pratchetts Protagonisten strotzen nur so vor (teils humorvoll überspitzter) Persönlichkeit. Stephen King hat ein enormes Auge für all die Schatten, die unter der Fassade des gefassten Äußeren in Menschen schlummern und eröffnet in vielen seiner Bücher hinter dem Anstrich von Horror und Thriller einen Blick auf zutiefst menschliche Psychen. Die „menschliche Verfassung“ aus den Werken dieser Autoren wegzureden, indem sie als Alleinstellungsmerkmal von „literary fiction“ angeführt werden, erscheint nicht grundlos kurzsichtig, die Andeutung, tiefgreifende Charaktere und Plot stünden sich unvereinbar gegenüber, wirkt gerade zu befremdlich.

Desweiteren wird „literary fiction“ hier über enthaltenen Sozialkommentar oder politische Kritik definiert. Das Argument mag dem geneigten Genrefiktion-Leser/der geneigten Genrefiktion-Leserin eigenartig vorkommen, besonders den Lesern von Science Fiction. Wer sich im Genre auskennt, hat bei näherer Betrachtung die Große Wahrheit™ von Science Fiction herausgefunden:

Science Fiction handelt nicht von der Zukunft, sondern immer von der Gegenwart des Verfassers.

Ich, jetzt gerade

So in der Art ließen sich eine Menge Autoren zu ihrem Heimatgenre paraphrasieren. Es ist eine logische Aussage, wenn wir sie auf ihren Kern herunterbrechen: In Abwesenheit funktionierender USB-Kristallkugeln kann niemand die Zukunft voraussagen. Eine Science-Fiction-Roman ist also im weitreichendsten Fall ein Weiterdenken der Themen, die die Welt bewegten, als der Autor/die Autorin sich hingesetzt hat und von Idee über Tinte und Papier zum fertigen Buch vorgedrungen ist. Science Fiction (und andere „Genrefiktion“) erlaubt es dem Verfasser, wie auch dem Leser, durch Verfremdung die Perspektive für soziale und politische Vorgänge seiner Gegenwart zu schärfen und das Weiterdenken gegenwärtiger Entwicklung zu ihrem möglichen Endpunkt. Viel Science Fiction enthält Sozialkommentar und politische Kritik.

„Science fiction is not predictive; it is descriptive.“

Nicht ich, sondern Ursula K. LeGuin

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Intertextualität wird als weiteres Merkmal von „literary fiction“ angeführt. Ein Text kann etwa Bezug auf bereits erschiene Werke nehmen, indem bereits vorhandene Ideen erneut aufgegriffen, Passagen oder Aussagen als Anspielung oder thematische Grundlage verwendet oder ältere Texte dekonstruiert werden um ihnen neue Gültigkeit zuzuweisen, oder die enthaltenen Ideen in neue Kontexte zu setzen.

„In der Literaturwissenschaft werden […] konkrete Bezüge zwischen literarischen Einzeltexten als „Intertextualität“ bezeichnet“

Intertextualität, Wikipedia

Das kann in einfachster Form die Verwendung von Namen bedeuten, wenn etwa in einem Fantasy-Roman Parallelen zur Artus-Sage beschworen oder ein Science-Fiction-Autor Themen aus anderen Geschichten des Genres aufgreift und in der Perspektive seiner eigenen Gegenwart neu interpretiert. Expliziter wären Fälle wie Stephen Kings Saga Der Dunkle Turm, in der sich nicht nur die Welten verschiedener King-Romane überschneiden, sondern die Rolle von Inspiration und Ursprung all unserer Geschichten mit der zentalen Handlung immer und immer wieder verbunden wird. An einem Punkt landen die Charaktere sogar in Oz. Der Dunkle Turm ist intertextuelle Western-Fantasy-Horror-Science-Fiction, quasi die absolute Anthithese zum Wahrheitsanspruch der oben angeführten Definition von „literary fiction“.

Natürlich wird „literary fiction“ an Universitäten gelehrt. Aber das als Abgrenzungsmerkmal zu verwenden, ist zweifach schwierig: Einerseits wird es als Grund angebracht, warum „literary fiction“ besser ist – warum sonst sollte man es an Universitäten lehren? Aber warum wird es dort unterrichtet? Natürlich, weil es besser ist. Der Kreis schließt sich und wieder einmal zeigt sich, wie nutzlos das eine Definition macht. Andererseits ist die Behauptung auch schlicht nicht wahrheitsgetreu. An genug Universitäten werden Graphic Novels und andere Popkulturwerke in Seminaren behandelt, etwa Neil Gaimans höchst fantastische Sandman-Reihe. Werden sie dadurch zu literary fiction, quasi durch die äußere Anerkennung, nicht durch ihre Inhalte und inneren Qualitäten? Wäre das nicht letztendlich eine sehr traurige Aussage darüber, wofür „literary fiction“ ihren Befürwortern nach stehen soll?

Und das bringt uns auf langen, wirren Wegen zum Kernproblem der Gegenüberstellung von „literary fiction“ und „Genrefiktion“ – und dem Problem der Definition von „literary fiction“ als Nicht-Genre all jener Dinge, die inherente Werte haben, die der „Genrefiktion“ fehlen, wodurch sie zur Abgrenzung verwendet werden können. Meine Absicht war, in den obigen Abschnitten deutlich zu machen, warum ich die Argumente für eine Abgrenzung von „literary fiction“ anhand der genannten Eigenschaften kritisch sehe. Sofern das funktioniert hat, kommt natürlich eine Frage auf: Wenn die Alleinstellung von „literary fiction“ nicht funktioniert, weil die Alleinstellungsmerkmale nicht exklusiv sind, wie lässt sich dann rechtfertigen, „literary fiction“ als separat vom Rest der Literatur zu betrachten?

Die Antwort kann natürlich nur lauten: Gar nicht. Die Trennung scheint nicht aus den Eigenschaften von „literary fiction“ zu erwachsen, sondern von außen herangetragen zu werden. Sie wird in Kreisen von Literaten beschlossen, deren Auseinandersetzung mit „Genrefiktion“ minimal zu sein scheint. Ihre Position wiederum legitimieren sie darüber, jenen Kreisen anzugehören, die über die Wertigkeit von Kunst entscheiden. Schließlich kennen sie sich ja damit aus, entscheiden sie doch, was in den ummauerten Garten der „guten Bücher“ aufgenommen wird. Dass dies nicht unbedingt etwas mit tatsächlicher Qualität zu tun haben mag, hat schon manch anderer angeführt

Oha, das war heute mal sehr technisch. Wie sieht es aus, könnt ihr mit solchen Artikeln etwas anfangen? Renne ich hier offene Türen ein oder hämmere bloß gegen die große Genre-Ringmauer? Was ist eure Meinung zum Thema?

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5 Gedanken zu “Über Genrefiktion und Literary Fiction

  1. Ein toller Beitrag, den ich so voll und ganz unterschreiben kann. Diese Abgrenzung ist, um es mal ganz simpel auszudrücken, hausgemachter Mumpitz. Gefühlt ist das Qualitätsmerkmal „literarischer Wert“ eine Eigenschaft, die ein Buch sowieso nur ab einem bestimmten Alter zu verdienen scheint und die, wie du schon schreibst, vollkommen subjektiv ist. 2014 habe ich auf meinem Blog mehrere Bestenlisten analysiert und besprochen, dabei zeigte sich ein ähnliches Muster: alte Männer legen in verrauchten Hinterzimmern fest, was gute Literatur ist und was nicht. Aus diesem fehlgeleiteten Eliteanspruch eine Art Gütesiegel zu konzipieren, finde ich gelinde gesagt dreist und arrogant. Meiner Meinung nach sollte der Begriff der „literary fiction“ abgeschafft werden, ob man ihn nun als Genre auffassen möchte oder nicht, denn alles, was dieser beschreibt, findet sich in allen ‚klassisch‘ definierten Kategorien, sei es das traditionelle Drama, High Fantasy oder Science Fiction. Auf gewisse Weise empfinde ich diese Unterscheidung zwischen ‚guter‘ und ’schlechter‘ bzw. ‚minderwertiger‘ Literatur sogar als diskriminierend. Was die Frage aufwirft, ob man ein Genre und dessen Leser_innen diskriminieren kann… *grübel*

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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    1. Schön, dass dir der Beitrag gefallen hat 🙂

      Ich meine, diese Neigung, Meinungen zu absoluten Kategorien zu erheben ist ja generell eine sehr menschliche Eigenschaft. In der Kunst findet man sie überall, nicht nur bei Literatur.

      Was mich fast noch mehr irritiert als das, ist aber die Selbstverständlichkeit mit der viele Leute das einfach akzeptieren. Um mal bildungselitär zu werden: Vielleicht hat das mit dem Studium zu tun, aber ich kann manchmal nur die Hände überm Kopf zusammenschlagen, wenn ich sehe, wie unkritisch so viele Menschen einfach mit ALLEM sind. Ich glaube, der Artikel ist ein guter Startpunkt für eine Diskussion. Ich habe versucht, meine Probleme mit dem Thema analytisch aufzuschlüsseln. Egal, welche Meinung man zu dem Thema hat, man sollte zumindest erkennen können, warum diese Einteilung LitFic GenreFic problematisch ist. Im Kern behaupte ich ja nicht mal, dass es keine Trennung geben sollte (wobei ich definitiv denke, dass das Unsinn ist), wohl aber, dass die Trennung, die so oft derart gedankenlos verwendet wird, nicht nur problematisch, sondern völlig nutzlos ist. Vielleicht kann man derart zwischen „guter“ und „schlechter“ Literatur unterscheiden (was ich nicht denke), aber die o.g. Definition reicht dazu nicht aus.

      Dass aber nicht einmal versucht wird, eine vernünftige Verteidigung der LitFic-Definition anzubringen, die über deren mantra-hafte Wiederholung hinausgeht, sollte jeden selbsternannten Wahrer „hoher“ Literatur zutiefst beschämen. Wenn Literaturwissenschaftler für sich in Anspruch nehmen, WISSENSCHAFTLER zu sein (und ich denke, dass das der Fall ist), dann sollte gerade die „oberste“ Ebene dieser Personen sich A) der wissenschaftlichen Diskussion stellen und B) ihre eigene Position STÄNDIG und tiefgreifend hinterfragen. Dass aber die o.g. LitFic-Definition existiert, zeigt mir, dass das aber eben nicht der Fall ist.

      Gefällt 1 Person

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