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Eigentlich fragt buchfresserchen heute: Welches Buch hast du zuletzt aufgrund der Empfehlung eines anderen Buchbloggers gelesen? Da ich aber einerseits ein recht neuer Reisender in der Blogosphäre bin und andererseits ohnehin nur sehr selten nach Empfehlungen gehe, war ich so frei, mir einfach mal was anderes aus der Liste auszusuchen. Hoffe, mir kann vergeben werden.

Welche Erzähltechniken stören mich also beim Lesen?

(Die Antwort auf die tatsächliche Frage lautet übrigens Blood and Iron von Jon Sprunk. Und das zählt nicht wirklich, weil ich es nach weniger als hundert Seiten weggelegt habe.)

Ich behaupte jetzt einfach mal, prinzipiell allen Stilmitteln gegenüber aufgeschlossen zu sein. Zumindest ist das das Mantra, mit dem ich Antworten auf Fragen wie diese immer einleite. Wer weiß, was er tut, kann auch dem abgedroschensten Stilmittel Interessantes abgewinnen.

Persönlich bin ich allerdings kein großer Fan des allwissenden Erzählers. Für mich tritt die Künstlichkeit des Werkes schnell in den Vordergrund, wenn der Autor nicht genau weiß, was er tut. Es ist einer dieser seltsamen Gegensätze, derer man sich als Schreiberling erst im Laufe der Zeit bewusst wird: Der allwissende Erzähler erscheint die einfachste aller Erzählperspektiven zu sein, weil man sich über die Informationsvermittlung keine wirklichen Gedanken machen muss. Wenn es für die Handlung relevant wird, erwähnt man Umstand A halt, oder enthält Umstand B vor, wenn es der Spannung dienlich ist. Tatsächlich muss man – meiner Meinung nach – einen allwissen erzählten Text deutlich aufmerksamer konstruieren um nicht die Hand des Autoren in jedem Satz offensichtlich werden zu lassen und dadurch die Illusion der Natürlichkeit des Gelesenen zu zerstören.

Ein Geständnis: Ursprünglich war dieser Text viel, viel länger. Während des Schreibens merkte ich aber, dass ich hier mehr zu sagen habe, als ich in eine Montagsantwort stecken möchte. Deshalb gibt es eine ausführlichere Behandlung dieses Themas am kommenden Zwischendurch-Donnerstag.

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11 Gedanken zu “Montagsfrage: Gibt es Erzähltechniken, die dich beim Lesen stören?

  1. Der ‚allwissende Erzähler‘, ist das nicht sowieso ein bisschen altmodisch und früher gebräuchlich? Bei den Erzähltechniken fällt mir spontan ‚unmotivierter, zu häufiger Perspektivenwechsel‘ ein, aber ich glaube, diese Frage beantwortet man am besten am konkreten Beispiel.
    Auf Empfehlungen im Internet gebe ich sehr viel und habe dadurch schon wunderbare Bücher entdeckt. Es gibt aber auch welche, wo ich denke, warum dieses Buch so in den Himmel gelobt wird, neulich z.B. The Girls (Emma Cline).
    LG, Ingrid

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  2. Der allwissende Erzähler wird tatsächlich seltener verwendet, mir ist er aber letztens erst wieder untergekommen und hat mir den Spaß an einem eigentlich interessanten Buch genommen. Mehr dazu gibt es Donnerstag 🙂

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  3. Ich war irritiert und hätte es besser gefunden, wenn du die Frage nochmal im Beitrag wiederholt hättest. WArum hast du das Buch abgebrochen?

    Ich habe den allwissenden Erzähler noch nie genutzt, aber ich denke, jede Erzähltechnik hat Potential, das man ausschöpfen sollte. Ich lese z.B. selten Bücher mit kommentierenden Erzählern bzw. Figuren, die mit dem Leser agieren. Schlimmer finde ich personale Perspektive, die sich aufheben. Ich las neulich ein Buch, bei dem durch zwei personale Perspektiven alle Informationen offen waren und Spannung im Keim erstickt wurde. Es war kein Raum für eigene Interpretationen. Aber ich bin froh, dass viele Selfpublisher mitterweile Perspektiven wählen, die sich berühren, aber nicht besonderes überschneiden!

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    1. Hallo Evy,

      schön, dass du hergefunden hast 🙂

      Du hast natürlich recht, die Frage hätte ich wiederholen sollen, zumal ich selbst jemand bin, der Überschriften gerne mal vergisst, sobald ich beim Haupttext angelangt bin 😀 Habe das direkt mal nachgebessert.

      „Blood & Iron“ habe ich aufgegeben, weil es mich einfach nicht gepackt hat, weder die Handlung, noch die Charaktere, noch die Welt. Da das nicht meine eigentliche Frage war, wollte ich da aber gar nicht im Detail drauf eingehen.

      Zu den Perspektiven: Das ist wohl Geschmackssache. Ich finde sich übeschneidende Perspektiven mitunter sehr spannend. Nicht das gesamte Buch muss so erzählt sein, aber auch aus vollständigen Informationen lässt sich eine spannende Situation schaffen. Welche Probleme etwa entstehen, wenn Charaktere unterschiedliches Wissen haben, das sie einander aber nicht mitteilen? Was, wenn sie zwei Situationen grundlegend anders interpretieren? Was, wenn sie einander belügen? Der Leser mag „die Wahrheit“ über eine gegebene Situation erfahren, aber die Charaktere haben ja immer noch unvollständige Informationen, gemäß denen sie handeln und Entscheidungen treffen werden.

      Über Selfpublisher kann ich nicht viel sagen, da habe ich keine Erfahrungen mit. Ich denke aber, dass Berührungspunkte in Geschichten mit unterschiedlichen, gleichberechtigten Perspektiven wichtig sind, schließlich sollte der Leser sich im Idealfall nicht fragen, weshalb gerade diese beiden Charaktere als Blickwinkel gewählt wurden, wenn sie doch weder geographisch, zeitlich, handlungstechnisch oder thematisch zusammenhängen.

      Ich stimme dir auch zu (im Artikel selbst schon), dass jede Erzähltechnik effektiv genutzt werden kann. Nur bin ich kein Fan des Typus Geschichte, für den sich ein allwissender Erzähler meiner Meinung nach primär eignet.

      MfG,
      pw

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      1. Dein Beispiel mit der Lüge ist sehr interessant – das werde ich mir merken 🙂 Mich nervt es nur, wenn die Autoren den Leser über alles aufklären wollen und man das als Leser merkt. Und im Idealfall sollte der Leser ein Stilmittel nicht erkennen, dass es sich um ein misslungenes Stilmittel handelt, sondern gut durch die Geschichte kommen und sie genießen.

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      2. Stimme dir voll und ganz zu. Wenn der Leser die Hand des Autoren bemerkt, hilft das der Geschichte nicht. Bin daher auch kein Fan von Autoren, die zu sehr von der Cleverness ihrer eigenen Schreibe begeistert sind und das Verlangen haben, den Leser mit der Nase darauf zu stoßen.

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