Nach vollmundigen Ankündigungen ist der reguläre Blogbetrieb in der letzten Woche ja leider ausgefallen. Grund ist dafür zumindest im Teil der NaNoWriMo, der mehr Zeit in Anspruch nimmt als ich erwartet hätte, wenn auch wohl nicht mehr als man sich hätte denken können. Aber wie läuft es überhaupt?

Im Großen und Ganzen war meine erste Woche NaNoWriMo erfolgreich. Zwar kann ich von den Wortzahlen mancher nur Träumen und habe heute auch statt den regulären 1667 Wörtern 2852 vor mir, aber deswegen mache ich mir keine großen Sorgen. Der Rückstand ist der fortschreitenden Handlung zuzuschreiben, die das einfache Drauslosschreiben inzwischen etwas erschwert. Grund dafür sind einfach die zunehmenden zu beachtenden Kausalitäten und zeitlichen Verknüpfungen. Ein Beispiel …

Grundsätzlich unterteile ich mein Dokument in Kapitel und dann noch einmal in Szenen. Für Ein Haus der Knochen ist aktuell nur die Unterteilung in Szenen wirklich relevant, da ich – wenn überhaupt – diese wohl erst später in Kapiteln gruppieren werde, wenn es an die erste Überarbeitung geht. Zu Anfang habe ich diese Szenen chronologisch geschrieben und entsprechend durchnummeriert: Szene 1, Szene 2, etc. Aktuell schreibe ich an Szene x+1.

Das hat den Grund, dass ich weiß, dass der Inhalt dieser Szene in der Handlung in jedem Fall passieren wird und ich kenne auch die Trittsteine, die mich zu ihm führen. Was ich noch nicht zu hundert Prozent weiß, ist die zeitliche Abfolge dieser Trittsteine. Jetzt könnte man ja sagen, dass mir das egal sein kann, schließlich könnte ich ja einfach nicht mehr chronologisch Schreiben (und habe es auch schon getan). Nur hängen mit der zeitlichen Abfolge auch verschiedene Motivationen von Charakteren für bestimmte Ereignisse zusammen. Die sind nicht in dem Maße verschieden, dass sie eine komplett andere Geschichte ergeben, wohl aber, dass sie eine andere Logik der Geschichte ergeben. Ein Beispiel im Beispiel …

Ereignis A passiert vor Szene x+1, das steht fest. Ereignis B geschieht nach Ereignis A, denn Ereignis A ist der erfolglose Versuch, B zu verhindern. Ereignis B hat Einfluss auf die Dynamik mehrerer zentraler Charaktere und wird letztlich zu Ereignis C führen. Die Frage ist jetzt, geschieht Ereignis C vor oder nach Szene x+1? Geschieht es nachher, kann die aktuelle Fassung von Szene x+1 bleiben wie sie ist, das Ereignis hat noch keinen Einfluss auf die Entwicklung der Protagonistin, weil es ja noch nicht geschehen ist. ABER: Es macht in den meisten Belangen mehr Sinn, wenn A, B und C vor Szene x+1 passieren, die nämlich mit einem kleinen Zeitsprung anfängt. Das würde bedeuten, dass die an sich akuten Auslöser von Ereignis C irgendwie logisch verzögert werden müssten, damit sie nach Szene x+1 stattfinden können, obwohl es einfach und logischer wäre, Ereignis C vor Szene x+1 stattfinden zu lassen. Okay, also lasse ich Ereignis C vor Szene x+1 stattfinden. Dann habe ich ein anderes Problem: Findet Ereignis C nach Szene x+1 statt, kann es dazu dienen, eine Charakterentwicklung in der Protagonistin voranzutreiben, die sie wieder aktiver werden lässt als sie es in Szene x+1 ist. Jetzt kommt der Gag: Findet es vor Szene x+1 statt, brauche ich einen guten Grund, warum diese Entwicklung nicht vor x+1 abgeschlossen ist. Ich muss einen guten, logischen Grund für die Verzögerung finden.

Klingt kompliziert? Ist es auch. Solche Umstände meine ich, wenn ich von Kausalitäten und zeitlichen Verknüpfungen spreche. Das bedeutet nicht, dass ich in einer Sackgasse angelangt bin. Ich weiß, was später und früher in der Handlung passieren muss, kann also tatsächlich teils nichtchronologisch schreiben, aber nur solange, wie die innere Welt der Protagonistin nicht explizit erforscht wird, da ich dazu natürlich den jeweils aktuellen Stand ihrer Charakterentwicklung kennen muss.

Gestern habe ich daher bewusst aufgehört zu schreiben und den Rückstand in Kauf genommen um meine Ideen bezüglich des oben beschriebenen Problems noch ein wenig reifen zu lassen.

Alles in Allem ist der NaNoWriMo bisher aber ein großer Erfolg für mich. Nicht nur, dass ich regelmäßig und auch nicht gerade wenig schreibe, verhindert der enge Zeitrahmen auch, dass ich in den Teufelskreis aus Korrektur und Überarbeitung falle, der meinen letzten Versuch an einem großen Projekt in eine Endlosschleife und schließlich eine Sackgasse befördert hat. Der kleinere Rahmen von Ein Haus der Knochen macht den Schreibprozess auch übersichtlicher und dadurch wiederum leichter strukturierbar.

Bisher bin ich mit dem Geschriebenen auch recht zufrieden, mit einem kleinen Abstrich bezüglich der Sprache. Eigentlich wollte ich auf Deutsch schreiben, aber auf Englisch fließen die Worte einfach besser, die Charaktere sind lebendiger, die Gedanken klarer und natürlicher.

Aktueller Stand für Ein Haus der Knochen sind 10484 Worte, beziehungsweise 58687 Zeichen. Die Handlung kommt dabei etwas schneller voran als gedacht, fließt aber hoffentlich immer noch natürlich und in einem vernünftigen Tempo.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s