Das Ende naht. Nach drei Wochen wird das heutige NaNoWriMo-Update von der politischsten aller Weisheiten gesponsert: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Keine Sorge, alles nicht so schlimm.

Da habe ich mich doch letzte Woche noch über Startschwierigkeiten beschwert. Wie naiv ich doch war. Wie bereits angekündigt, fiel das Schreiben am Wochenende bei mir aus, allerdings hatte ich noch am Freitag für einen teilweisen Vorsprung gesorgt, mit dem ich am Montag nur den Sonntag würde aufholen müssen. Dann stattete mir mal wieder meine Dauererkältung einen Besuch ab. Denken fällt dann immer ein wenig schwerer. Noch mehr als sonst, mag der eine oder andere sagen wollen.

Was hat das jetzt mit Statistiken zu tun? Nun, hätte ich das Update gestern geschrieben (was mir sieben Tage bis zum Ende des NaNoWriMo gegeben hätte), würdet ihr hier nun einen traurigen Text über verlorene Zeit, gescheiterte Ambitionen und zweieinhalb Tage Rückstand und mehr lesen. Dann habe ich innerhalb von (gefühlt) zwölfeinhalbtausend Stunden gestern Nachmittag den Rückstand zu meiner eigenen Verblüffung komplett wieder abgebaut. Ich liege also jetzt wieder im vorgegebenen Tagesrahmen und muss ab jetzt, um Ein Haus der Knochen am 30. November anzuschließen, jeden Tag circa 1667 Worte schreiben.

Das klingt toll – jedenfalls besser als es gestern noch geklungen hätte – bringt aber auch altbekannte Probleme mit sich.

Zuerst einmal hatte ich am Wochenende weniger Zeit, über den Plot des zweiten Teils der Handlung nachzudenken, als ich gedacht/mir gewünscht hätte. Das ist im Grunde nicht zu problematisch, denn von den Eckpunkten abgesehen, war der erste Teil halbwegs ungeplant was den Weg von und zu diesen Eckpunkten anbelangt. Soweit ich das bisher sehen kann, hat sich dadurch recht organisch eine Handlung ergeben, in der Charaktere sich entwickeln, Themen wiederholt aufgegriffen werden und auch eine Prise Spannung dazugekommen ist. Für den zweiten Teil – oder besser gesagt: die zweite Hälfte – werde ich einige dieser Punkte aufgreifen müssen, neue Plotelemente einführen und einen Rückgriff auf nahezu das erste Ereignis in der Handlung vornehmen. Inzwischen bin ich mir auch ziemlich sicher, dieses Ereignis logisch mit den noch folgenden verkettet zu haben, wobei sich die Praktikabilität letztlich beim Schreiben herausstellen werden muss. Die allseits beliebte Frage, die stets mit glimmenden Augen in meinem Hinterkopf auf mein krümeliges Selbstbewusstsein als Schreiberling wartet, regt sich also wieder mit rumpelndem Magen: Inwiefern gelingt es mir, die nötigen Informationen klar genug zu vermitteln, ohne reines Infodumping zu betreiben? Zum teil ist das ein Problem für mein Zukunfts-Ich, denn letztlich steht zwischen dem Ende des NaNoWriMo und dem „fertigen“ Haus der Knochen ja nochmal eine ausführliche Überarbeitungsphase, in der ich ohnehin an ein paar Elementen feilen, zusätzliche Hintergrundinfos einfügen und Foreshadowing nachbessern muss.

Zum anderen ist die Handlung in der zweiten Hälfte deutlich weiter gefasst als zuvor, auch wenn die Geschichte weiterhin am gleichen Ort spielt. Einen Teil der Vorarbeit, hier notwendige Informationen zu vermitteln, wird die Überarbeitung spielen müssen, in der ich in der ersten Hälfte weitere Details säen muss, um den Leser nicht in der zweiten mit zuviel neuen Handlungs- und Weltelementen zu überwältigen. Auch bin ich mir noch nicht sonderlich sicher, ob ich die beiden Teile der Handlung explizit trennen möchte. Aktuell ist der Übergang vom ersten in den zweiten Teil derart geschrieben, dass er auf diese Weise am besten funktionieren würde, andererseits könnte es den Versuch wert sein, den Text an dieser Stelle für sich selbst sprechen zu lassen. Ich bin eigentlich kein Fan davon, Informationen über die Struktur des Textes quasi von Außen an den Text anzutackern und eine Zwischenseits mit fett gedrucktem TEIL II fiele definitiv darunter. Insgesamt ist das aber ein eher kleines Problem, dessen Auswirkungen auf die Szenen um die Halbwegsmarke in der Überarbeitung ausgemerzt werden können.

Desweiteren bin ich mir aktuell auch einfach noch nicht sicher ob 50000 Wörter wirklich ausreichen, wenn der zweite Teil in gleichem Maße wächst, wie der erste. Auch das ist prinzipiell nicht schlimm, solange die zweite Hälfte nicht dreimal so lang wird wie die erste. Immerhin muss ich Raum für Charakterentwicklung und neue Handlungselemente in meine Berechnungen einbeziehen. Ich habe jedenfalls nicht vor, Ein Haus der Knochen auf tolkieneske Ausmaße anwachsen zu lassen.

Letztlich werden mir all die Stolpersteine bezüglich der exakten Struktur und des genauen Verlaufs der Handlung beim Schreiben klarer werden, auch wenn ich dadurch nach dem recht zielgerichteten Schreiben zum Ende der ersten Hälfte hin, nun wieder fragmentarischer Vorgehen und Lücken zwischen meinen Fixpunkten bei Bedarf (und Einfall) ausfüllen muss.

So schwer es mir fällt (weil ich so lange Perfektionist bin, bis ich gezwungen bin, mich um die betreffende Imperfektion zu kümmern), werde ich kleinere Probleme unter ausführlichen Notizen für mein Zukunfts-Ich übrig lassen, um nicht Gefahr zu laufen, mich an einem Detail hier oder einer Ungenauigkeit da festzubeissen und dadurch mein abschließendes Ziel zu verpassen.

Übrigens: Wie die Magie funktioniert, weiß ich immer noch nicht so genau …

Aktueller Stand für Ein Haus der Knochen sind 38406 Worte, die meisten davon unheilvoll. Ich wusste ja von Anfang an, dass dies keine bunt-quietschige-Kaugummi-Fantasy-Narrative wird, aber es ist tatsächlich noch einmal eine Nummer düsterer geworden als beabsichtigt. Vielleicht ist auch das ein Ansatzpunkt für die Überarbeitung. Vielleicht ist es aber auch der ehrliche, notwendige Ton der Geschichte.

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