Es ist vorbei! Nach dreißig Tagen und vielen, vielen Worten habe ich meinen ersten NaNoWriMo überhaupt hinter mich gebracht. Wie das vermutlich mit allen kreativen Beschäftigungen ist, bestand dieser Schreibmarathon zu nahezu gleichen Teilen aus Spaß und an Frust grenzender Anstrengung.

Wie kann ein Fazit zu einem Monat aussehen, in dem ich produktiver denn je war? Das ist keine Übertreibung, ich kann mich an keinen Zeitpunkt und an keine Etappe in meinem Leben erinnern, in denen ich innerhalb so kurzer Zeit so viel Text zu Papier gebracht habe. Vielleicht gab es Tage an denen ich mehr geschrieben habe als an meinem ergiebigsten Tag im NaNoWriMo, aber die Beständigkeit die ich in diesen dreißig Tagen gezeigt habe, sucht (erfolglos) ihresgleichen.

Ich habe schon zu verschiedenen Gelegenheiten festgestellt, dass ich mit einer Deadline am Horizont deutlich effektiver arbeite. Die zarte Künstlerseele sträubt sich natürlich gegen die Vorstellung, wahre Kunst™ könne erzwungen werden, aber der Realist in mir weiß, dass Schreiben – wie wohl jedwede künstlerische Betätigung – letztlich zu nicht verachtendem Anteil (wenn nicht gar zum größten Teil) ein Handwerk ist und wie jedes Handwerk regelmäßig ausgeübt werden will. Natürlich gab es auch Tage an denen ich kaum geschrieben habe. Entweder, weil mir Verpflichtungen dazwischenkamen, aber auch weil sich meine Muse von dem Umstand, dass ich eigentlich nicht an sie glaube, recht unbeeindruckt gezeigt hat. Ein paar der Probleme, aus denen solche Schreibpausen erwuchsen, habe ich in vorangegangenen Updates bereits erläutert. Die meisten waren plotbezogen und konnten durch genaueres Nachdenken und teils obsessive graphische Sturkturierung der noch zu verarbeitenden Handlung früher oder später gelöst werden. Eine dieser Problemphasen hat kurz vor Ende des Monats dafür gesorgt, dass ich zwei Tage lang gar nicht geschrieben habe und am 28., 29. und 30. mehrere tausend Worte (erfolgreich) nachgeholt habe.

Selbstverständlich wünsche ich mir, von solchen Tiefs frei zu sein, aber realistisch gesehen weiß ich, dass das wohl nicht möglich sein wird, besonders im späteren Verlauf von Geschichten, in denen freies Schreiben durch alles Vorangegangene bereits eingeschränkt ist. Hinzu kommt, dass ich in all meinem Pessimismus eine schwer totzukriegende Ader des Optimismus finde: Ohne die Problemphasen wäre mein Text ein anderer, denn die Ideen, die mir letztlich erlaubten, weiterzuschreiben, waren neu, ungeplant und triebe die Handlung – im vorgegebenen Rahmen – in von mir nicht vorhergesehene Richtungen.

Die Schwierigkeit lautet nun , den aufgenommenen Schwung nicht wieder zu verlieren. Ich gestehe, seit dem 30. habe ich mein Manuskript kaum angerührt. Das ist definitiv ein Problem, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, diese Geschichte jetzt noch zu verlieren. Denn das ist eine weitere Erkenntnis des NaNoWriMo – wenngleich keine vollkommen neue: Ein Haus der Knochen hat sich auf 50000 Wörter nicht eingrenzen lassen. Das heißt nicht, dass es ein tausend Seiten Monstrum werden wird. Nein, im selbstauferlegten Rahmen der Novellenlänge werde ich wohl bleiben. Aber ein paar Seiten braucht die Geschichte noch. Im Endeffekt rechne ich mit 55000 bis 60000 Wörtern. Was geschieht, ist alles ziemlich fest vorausgeplant, doch genau wie eine gute Geschichte nicht nur vom „Was“, sondern mindestens im gleichen Maße von all den „Wies“ handelt, sind die Wege hin zu den Schlüsselmomenten diejenigen, die beim Schreiben die größte Herausforderung bilden. Schließlich sollen die Charaktere sich treu bleiben, sich gleichzeitig weiterentwickeln und doch im vorgegebenen Rahmen ihres Umfelds und ihrer Persönlichkeiten handeln.

Sofern es nach einem solchen Monat – der notgedrungen ohne großes Korrekturlesen auskommen musste – möglich ist, eine solche Einschätzung zu treffen, bin ich bisher mit Ein Haus der Knochen zufrieden. Ich denke, ich habe ein interessantes Konzept und Gerüst, bin mir aber auch bewusst, dass noch viel Überarbeitungsaufwand bevorsteht. So gilt es später, die Geschichte rigoros auf Infodumps zu untersuchen, wenn diese nicht angemessen sind, Informationen über die Welt, die später relevant werden, schon früher einzubringen und das Foreshadowing dahingehend zu überprüfen, ob es die Balance zwischen offensichtlich und verschleiert trifft.

Ein großes Problem bei der Informationsvermittlung bleibt dabei das grundlegende Element der Perspektive: Mit nur einem Perspektivcharakter, muss ich sorgsam darauf achten, dem Leser nicht Informationen vorzuenthalten, das für ihn wichtig ist, aber vielleicht gar nicht so sehr im Fokus meiner Protagonistin liegt.

Tja, was bleibt abschließend zu sagen? Mein erster NaNoWriMo ist mehr geworden als nur ein Experiment: Ein Erlebnis, eine Lernerfahrung und eine Bestätigung an mein selbstkritisches Ich, dass ich nicht vollkommen unfähig bin, wenn es darum geht, Wort an Wort an Wort zu reihen. Es hat mir auch mal wieder deutlich gemacht, wie wichtig es ist, sich hinzusetzen und einfach zu arbeiten. Die perfekteste Geschichtenidee ist a) selten so problemlos wie sie im Kopf erscheint und b) vollkommen wertlos, solange sie nur Idee bleibt. Nur was geschrieben steht, zählt.

Ich bin dankbar für den NaNoWriMo und für die tolle Unterstützung und den inspirierenden, aufmunternden, motivierenden und schlichtweg interessanten Dialog in der kleinen Fantasy-Schreibgruppe, die sich über die letzten dreißig Tage zusammengefunden hat, um gemeinsam Geschichte(n) zu schreiben. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne diesen Austausch durchgehalten hätte, bin aber froh, dass ich es getan habe. Dies wird – so ich es einrichten kann – sicherlich nicht mein letzter NaNoWriMo gewesen sein.

50039 Worte wurden zwischen dem 01. und dem 30. November geschrieben. Darunter fallen knapp 40000, die sich in der Erstfassung von Ein Haus der Knochen wiederfinden werden, 2000 in Form der Kurzgeschichte A Token of Our Sounds und der Rest in liebevoll  „Abraum“ benannten Dokumenten, in denen all das gelandet ist, was getippt, aber gestrichen oder nachgebessert wurde.

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Ein Gedanke zu “NaNoWriMo-Update IV: Post Mortem

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