Unter der Lupe: You Are Wanted

Einer meiner Vorsätze für Unter der Lupe lautet, sich auf Positivbeispiele zu konzentrieren. Ich versuche, mich daran zu halten. Ab und an kommt aber ein Unterhaltungsprodukt daher, das groß genug ist als dass es ein wenig Kritik vertragen könnte. You Are Wanted ist so ein Fall. Welche Probleme die Serie hat und wo die Ursachen dafür liegen könnten – ein Analyseversuch nach der Unterbrechung.

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Wie Videospiele Geschichten erzählen (können)

Ein vorherrschendes Thema im Bezug auf Videospiele – auch unter jenen, die dieses junge, interaktive Medium als Kunst bezeichnen würden – beschäftigt sich mit der Frage nach der Qualität und dem Potenzial von Geschichten. Können Videospiele (gute) Geschichten erzählen? Tun sie es? Und welche Vor- und Nachteile bietet die Interaktivität in diesem Zusammenhang?

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Geschichte: A Token of Our Sounds

Heute ist ein seltsamer Tag, mit dem ich nur sehr, sehr langsam zurecht komme, der mich erschüttert hat – nicht nur, weil niemand so recht geglaubt hat, dass er wirklich kommen würde, sondern auch, weil er Dinge über uns als Zivilisation sagt, von denen ich nicht gedacht hätte, sie im Jahre 2016 noch einmal hören zu müssen.

Das Ergebnis des Versuches, zurecht zu kommen, gibt es nun hier. Auf Englisch, weil das funktioniert hat. Es ist nicht Teil des NaNoWriMo und mir wäre es lieber, heute auf der faulen Haut gelegen haben zu können, als mir diesen Text von der Seele schreiben zu müssen.

Eine Warnung: Dies ist nicht korrekturgelesen. Nicht übersetzt. Womöglich recht undurchdringlich. Aber notwendig für mich, heute und hoffentlich nicht in der Zukunft.

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Cosmic Horror

Es ist Oktober und die dunkle Jahreszeit rückt unaufhaltsam näher. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und wir wissen ja alle, was in den sich streckenden Schatten lauert; dass nicht jedes Frösteln dem Wetter geschuldet ist; dass wir in der Dunkelheit Opfer unser urzeitlichen Instinkte werden können und in jedem Winkel Böses lauern mag.

Über die nächsten Wochen möchte ich daher einen tieferen Blick auf Horror werfen und ein paar Genrevertreter näher beleuchten (oder be…schatten? Uuuuhuuuh!).

Den Anfang macht dabei ein Thema, das mir sehr an meinem (teerschwarzen, kalten) Herzen liegt: Cosmic Horror. Mit H.P. Lovecraft sind viele sicherlich durch die Cthulhu-Obsession der Popkultur zumindest oberflächlich vertraut. Welche Philosophie aber steckt hinter Lovecrafts Geschichten, woher kommt sie und wie manifestiert sie sich in seinen Werken?

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Über Genrefiktion und Literary Fiction

Wer Fantasy schreibt, Horror, Science Fiction, der wird nicht selten mit einer bestimmten Einstellung konfrontiert. „Richtige Literatur“, so oft die Meinung, findet sich nicht in diesen Genres – „Genre“ selbst ist Indikator für mindere Qualität. Selbst der Deutschen liebstes Genre, der Krimi, kann dem nicht recht entkommen. Krimis werden zur Unterhaltung gelesen, obwohl man weiß, dass es ja eigentlich „besseres“ gibt. Literatur halt. Und der gewöhnliche Krimi spielt ja immerhin in der „echten Welt“.

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Ab in die Tropen: Fantasy & Klischee

Fantasy wird oft mit dem Klischee assoziiert, mit Mustern und Ideen, die nicht nur ständig wiederkehren, sondern irgendwie sogar als fester Bestandteil des Genres angesehen werden – und das nicht nur von Kritikern, sondern auch von Vertretern.

Fantasy scheint das Genre der Klischees zu sein, wenn man sich ansieht, welche Konzepte darin immer wieder auftauchen: Dunkle Lords nach Saurons Schablone, mutige Multikulti-Gefährten, magische Artefakte (oftmals Schwerter); Elfen und Orks (oder vergleichbare, von Natur aus böse Kreaturen); der Kampf zwischen Gut und Böse™, ausgetragen auf großen Schlachtfeldern. Infolgedessen beschäftigt sich eine beliebte Diskussion in Fantasy- und Schreiberling-Foren gerne mit der Frage nach der Notwendigkeit solcher Klischees: Braucht Fantasy diese Ideen um Fantasy zu sein? Sollten die Fantasyautoren der Zukunft das Joch des Klischees abwerfen und in völlig neue Gefilde stürmen? Manch eine Gegenstimme zu dieser Denkrichtung bringt die Frage auf, ob nicht das immer wiederkehrende Aufkommen von Klischees ein Beweis dafür ist, dass die Leute genau das lesen wollen? Ist nicht der Vorwurf an das Genre (und Genres im Allgemeinen) wahr, dass es erst durch das Klischee definiert werden kann? Dass es um der Klischees Willen gelesen wird, um Bekanntes in neuen Konstellationen immer wieder zu erfahren und auf sechshundert Seiten und mehr Behaglichkeit in sicheren Umgebungen zu finden? Und ist nicht der Bruch mit dem Klischee ein narrensicherer Weg, enttäuschte Leser zurückzulassen, die ihre Erwartungen nicht erfüllt sehen? Gewinnt der Dunkle Lord und stürzt die Welt ins Zwielicht, mag mancher das als Verrat an der zentralen Idee des Eskapismus sehen, die von Kritikern und Fans gelegentlich zum Kernelement der Fantasy erhoben wird.

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Warum Dark Souls ein gutes Buch ist

Nach der Frage, was ein gutes Buch ausmacht, ein kleiner Exkurs: Warum ist Dark Souls ein gutes Buch? Und wie macht es das, wo es doch nicht mal ein Buch ist?

Ob Computer- und Videospiele Kunst sein können, ist eine der Fragen, die für die betroffene Branche längst geklärt ist, außerhalb aber immer noch zu Kopfkratzen oder gerümpften Nasen führt. Das digitale Medium steht damit in der Tradition aller neuen Medien. Bitte nicht vergessen: Von Rockmusik glaubte manch einer mal, dass sie zu Teufelsanbetung führe und Romanen wurde nachgesagt, sie verleiten insbesondere Frauen zur Lethargie. Wichtiger wäre die Frage: Wenn Videospiele Kunst sind, wie sähe dann ihr Kanon aus, wie in ein paar Jahrzehnten die Klassiker? Meine Antwort darauf wäre eine lange Liste, vermutlich mit einigen „Abers“ und „Nur wenns“. Dark Souls wäre aber nicht von ihr Wegzudenken.

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Was ist ein gutes Buch?

Nachdem wir im letzten Blogpost die Problematik um Strong Female Characters gelöst haben, klären wir heute ein für alle mal, worüber sich Literaten, Leser und L…Autoren streiten, seit es Streits gibt: Was ist ein gutes Buch?

Scherz – und Allgemeingültigkeitsansprüche – beiseite: Die Frage ist eine, die mich beschäftigt hat, seit ich lesen kann. Es ist eine Frage, mit der man sich als lesendes Kind früher oder später konfrontiert sieht, auch wenn man das vielleicht erst im Nachhinein feststellt. Eltern, Anverwandte und Lehrer rümpfen gerne mal die Nase, wenn sie sehen, worin ein Kind die seinige steckt, jeder ist wohl schon einmal aufgefordert worden, mal „Was Richtiges™“ zu lesen. Zumindest von meinen Eltern habe ich mir das glücklicherweise nie anhören müssen. Als ich alt genug war, mir nichts mehr vorlesen lassen zu müssen und mir eigenständig meinen Weg durchs Unterholz der Zeilen schlagen konnte, war zweitrangig, was ich las, solange ich nur las (- auch wenn ich mich an die eine oder andere gerümpfte Nase in Bezug auf Comichefte erinnere). Und was habe ich mitunter für einen Mist gelesen. Meine Regale quollen über vor Star Wars-Romanen und den Büchern aus Wolfgang Hohlbeins Repertoire, bei denen ich damals schon irgendwie das vage Gefühl hatte, dass vieles hier nicht so recht funktionierte. Um das klarzustellen: Das Star Wars-Regal gibt es immer noch, aber es ist gestutzt. Gleiches gilt für Hohlbein.

Ich bin der festen Meinung, dass man Kinder lesen lassen sollte, was immer sie wollen, irgendwann finden sie schon den Weg zu „besseren“ Büchern. Wenn man ihnen allerdings direkt Bahnwärter Thiel oder Die Blechtrommel aufdrängt, sinkt die Chance wahrscheinlich, dass sie beim Anblick eines Buches keinen Ausschlag kriegen.

Gut, also: „Bessere“ Bücher kommen ganz von selbst, behaupte ich. Aber was genau bedeutet „besser“, was „gut“? Um den Einstiegsparagraphen mal wieder aufzugreifen: Natürlich ist alles, was ich hier schreibe, rein persönlich, meine Meinung, etc. Ein besserer Titel wäre vielleicht „Was ist ein gutes Buch für mich?“, aber das ist ein wenig holprig, ein wenig sperrig und nicht so schön sinnlos provokativ.

Ein klassisches Werk ist ein Buch, das die Menschen loben, aber nie lesen.

Ernest Hemingway

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Starke Frauen – Strong Female Characters

Ich habe lange überlegt, womit ich meinen Blog eröffnen möchte, welche Themen mir am Herzen liegen, welche möglicherweise auch andere interessieren könnten und welche aus der Diskussion moderner Fantasy nicht wegzudenken sind. Hab mich dann für dieses entschieden. Warum nicht gleich mit was kompliziertem anfangen?

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Die sterbende Schildmaid Hervor – Peter Nicolai Arbo

Fantasy hat schon immer den Ruf gehabt – wie vieles abseits des Mainstream, was immer das sein soll – vorangig ein männlich dominiertes Genre zu sein, ob nun auf die Charaktere, die Autoren, die Leserschaft bezogen. Ein Genre für Jungs, die sich aus der Realität flüchten wollen. Sich diese Einstellung anzuschauen, böte genug Diskussionsstoff für mehrere Einträge, auch wenn sich der halbwegs belesene Fantasy-Fan vermutlich nur an den Kopf fassen könnte. Die Behauptung, Fantasy sei nichts für das weibliche Geschlecht, repräsentiere das weibliche Geschlecht nicht, ist so vereinfachend wie falsch. Autorinnen wie Ursula Le Guin, Robin Hobb, Marion Zimmer Bradley, Margaret Weis und Tracy Hickmann haben das Genre genau so sehr geprägt, wie ihre männlichen Kollegen.

Vermutlich stammt diese Pauschalmeinung über das Genre daher, dass die prominentesten, sichtbarsten Vertreter des Genres bis vor einiger Zeit tatsächlich von männlichen Charakteren dominiert wurden. Der Herr der Ringe etwa präsentiert so gut wie keine weiblichen Charaktere in mehr als Nebenrollen, was Peter Jacksons Filme zwar durch die Hervorhebung etwa von Arwen zu kompensieren versuchen, doch auch auf der Leinwand sind die Hauptrollen durchweg Männer. Einen wichtigen Aspekt dürfen wir natürlich hier nicht außer Acht lassen: Viele Handlungen finden in Welten statt, die sich stark am Bild des (mittel-)europäischen Mittelalters orientieren, für das zumindest die öffentliche Wahrnehmung diktiert, dass Frauen nur untergeordnete Rollen spielten (- was ebenfalls Stoff für weitere Untersuchungen böte). Es ließe sich also argumentieren, dass die Vorherrschaft männlicher Charaktere daher nichts anderes als eine realistische Repräsentation historischer Umstände sei. Lassen wir einmal außen vor, dass das im besten Falle eine hakelige Behauptung ist und ganz nebenei eine Frage über die Rollenvorstellungen eines typischen, zulässigen Fantasyhelden aufwirft (… zukünftiges Thema, ick hör dir trapsen …): Das Genre hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise nicht auf diesen Aussagen ausgeruht. Von Hermine über Katniss Everdeen, von den Frauen von Game of Thrones hin zu Comics und Superhelden-Serien wie Jessica Jones: Starke Frauen gehören mittlerweile zu den einprägsamsten Charakteren der Popkultur, auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass es mitunter der Fall ist, weil sie vorher nie wirklich im Blickfeld der breiten Masse lagen. Was aber, macht eine Starke Frau – einen Strong Female Character – eigentlich aus? Lange Einleitung, kurzer Sinn: Im Folgenden möchte ich mir ein paar starke Frauen in Fantasy & Co. ansehen, schauen, was sie ausmacht und was meiner Meinung nach die Stolperfallen für Autoren sind.

Interviewer: „I noticed that you write women really well […]. Where does that come from?“

George R.R. Martin: „You know … I’ve always considered women to be people.“

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