Zwischendurch: Von der Pflicht, über unangenehme Dinge schreiben zu müssen.

Mancher mag sagen, das Genre Fantasy wäre im Begriff erwachsen zu werden. Von Das Lied von Eis und Feuer über Joe Abercrombies Werke, zu Mark Lawrences Thorns-Trilogie sind in den letzten Jahren Bücher ins Rampenlicht gerückt, die das Image von tolkienesker (und pseudo-tolkienesker) moralischer Unkompliziertheit abwerfen. Gut und Böse fallen nicht mehr auf entgegengesetzte Seiten einer klar abgesteckten, unüberwindbaren Grenzlinie, sondern mischen sich im Zwielicht in verschiedenen Grautönen.

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Starke Frauen – Strong Female Characters

Ich habe lange überlegt, womit ich meinen Blog eröffnen möchte, welche Themen mir am Herzen liegen, welche möglicherweise auch andere interessieren könnten und welche aus der Diskussion moderner Fantasy nicht wegzudenken sind. Hab mich dann für dieses entschieden. Warum nicht gleich mit was kompliziertem anfangen?

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Die sterbende Schildmaid Hervor – Peter Nicolai Arbo

Fantasy hat schon immer den Ruf gehabt – wie vieles abseits des Mainstream, was immer das sein soll – vorangig ein männlich dominiertes Genre zu sein, ob nun auf die Charaktere, die Autoren, die Leserschaft bezogen. Ein Genre für Jungs, die sich aus der Realität flüchten wollen. Sich diese Einstellung anzuschauen, böte genug Diskussionsstoff für mehrere Einträge, auch wenn sich der halbwegs belesene Fantasy-Fan vermutlich nur an den Kopf fassen könnte. Die Behauptung, Fantasy sei nichts für das weibliche Geschlecht, repräsentiere das weibliche Geschlecht nicht, ist so vereinfachend wie falsch. Autorinnen wie Ursula Le Guin, Robin Hobb, Marion Zimmer Bradley, Margaret Weis und Tracy Hickmann haben das Genre genau so sehr geprägt, wie ihre männlichen Kollegen.

Vermutlich stammt diese Pauschalmeinung über das Genre daher, dass die prominentesten, sichtbarsten Vertreter des Genres bis vor einiger Zeit tatsächlich von männlichen Charakteren dominiert wurden. Der Herr der Ringe etwa präsentiert so gut wie keine weiblichen Charaktere in mehr als Nebenrollen, was Peter Jacksons Filme zwar durch die Hervorhebung etwa von Arwen zu kompensieren versuchen, doch auch auf der Leinwand sind die Hauptrollen durchweg Männer. Einen wichtigen Aspekt dürfen wir natürlich hier nicht außer Acht lassen: Viele Handlungen finden in Welten statt, die sich stark am Bild des (mittel-)europäischen Mittelalters orientieren, für das zumindest die öffentliche Wahrnehmung diktiert, dass Frauen nur untergeordnete Rollen spielten (- was ebenfalls Stoff für weitere Untersuchungen böte). Es ließe sich also argumentieren, dass die Vorherrschaft männlicher Charaktere daher nichts anderes als eine realistische Repräsentation historischer Umstände sei. Lassen wir einmal außen vor, dass das im besten Falle eine hakelige Behauptung ist und ganz nebenei eine Frage über die Rollenvorstellungen eines typischen, zulässigen Fantasyhelden aufwirft (… zukünftiges Thema, ick hör dir trapsen …): Das Genre hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise nicht auf diesen Aussagen ausgeruht. Von Hermine über Katniss Everdeen, von den Frauen von Game of Thrones hin zu Comics und Superhelden-Serien wie Jessica Jones: Starke Frauen gehören mittlerweile zu den einprägsamsten Charakteren der Popkultur, auch wenn sich der Verdacht aufdrängt, dass es mitunter der Fall ist, weil sie vorher nie wirklich im Blickfeld der breiten Masse lagen. Was aber, macht eine Starke Frau – einen Strong Female Character – eigentlich aus? Lange Einleitung, kurzer Sinn: Im Folgenden möchte ich mir ein paar starke Frauen in Fantasy & Co. ansehen, schauen, was sie ausmacht und was meiner Meinung nach die Stolperfallen für Autoren sind.

Interviewer: „I noticed that you write women really well […]. Where does that come from?“

George R.R. Martin: „You know … I’ve always considered women to be people.“

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